Seit #MeToo klagen viele, man dürfe nicht einmal mehr flirten. Das ist eine einseitige Sicht.

Ein Übergriff ist kein Flirt

Seit #MeToo klagen viele, man dürfe nicht einmal mehr flirten. Das ist eine einseitige Sicht.

Mit dem Hashtag #MeToo prangern seit zwei Jahren Frauen sexistische Übergriffe an. Vor allem Männer kritisieren seither, man dürfe nicht einmal mehr flirten. Das ist eine einseitige Sicht, wie aus einer Studie im Auftrag des deutschen Bundesfamilienministeriums hervorgeht. Für die Studie hat das Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung über 2000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahren befragt.

«Asymmetrie zwischen Tätern und Betroffenen»
Danach deuten Frauen und Männer dieselben Situationen unterschiedlich. Was für einen Mann ein Flirt ist, kann für eine Frau ein sexistischer Übergriff sein. Als sexistisch definieren die Befragten Handlungen, die Personen wegen ihrer Geschlechtsidentität herabwürdigen und zum Objekt machen. Welche konkreten Handlungen sexistische Übergriffe sind, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Studienleiter Carsten Wippermann spricht von einer «Asymmetrie zwischen Tätern und Betroffenen». Grund sei das Unvermögen, sich die Wirkung von eigenen Signalen und Handlungen auf eine andere Person vorzustellen.

Eine unerwünschte Hand auf dem Po ist ein Übergriff und kein Flirt. Bild: AL
Grenze respektieren
Entscheidend für die Grenze zwischen Flirt und Übergriff ist das gegenseitige Einverständnis. Über ein Kompliment freuen sich alle. Sobald jedoch jemand eine Bemerkung als unangenehm und unangebracht empfindet, ist es ein Übergriff. Wenn jemand die Grenze eines anderen nicht respektiert, muss man diese Grenze besser schützen und nicht darüber debattieren, ob und wie man denn eigentlich noch flirten darf.

Verhaltensunsicherheit
Aus der Studie geht hervor, dass Betroffene von sexistischen Übergriffen oft überrascht werden und deshalb nicht angemessen reagieren können. Dabei gehe es nicht um Rechtsunsicherheit, sondern um Verhaltensunsicherheit, sagt Studienleiter Wippermann. Es brauche mehr Informationen, wie man die eigene Grenze schützen und sich bei Bedarf souverän verhalten kann.

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