Frauenmorde sind meistens geplant

Die meisten Mörder töten (Ex-)Partnerinnen nicht im Affekt, sagt eine Kriminologin. Angst vor Verlust führt zu geplantem Vorgehen.

Gewalt in Beziehungen eskaliert nach einem bestimmten Muster. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der britischen Universität Gloucestershire. Danach ist die zunehmende Kontrolle der Partnerin ein entscheidender Hinweis auf eine möglicherweise bevorstehende Tat.

Angst vor Kontrollverlust
Die Kriminologin Jane Monckton Smith hat dafür 372 Morde an Frauen in Grossbritannien untersucht, die von ihren (Ex-)Partnern getötet wurden. Das Ergebnis: Die meisten Täter handelten aus Angst, die Kontrolle über die Frau zu verlieren. Und sie gingen geplant nach einem ähnlichen Muster vor. Solche Frauenmorde seien deshalb vorhersehbar, sagte Monckton Smith der BBC. Die Polizei könne und müsse früher eingreifen.

Eskalationsstufen
Die Kriminologin hat ein Acht-Phasen-Modell entwickelt, das es Polizei und Sozialbehörden erleichtern soll, Risikobeziehungen rechtzeitig zu erkennen und einzugreifen, bevor ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin ermordet:

  1. Vorgeschichte: Der potenzielle Täter ist schon durch Stalking, häusliche Gewalt und andere Gewaltdelikte auffällig oder straffällig geworden.
  2. Beziehung: Die Beziehung entwickelt sich schnell zu etwas Ernstem. Das Paar vernachlässigt andere soziale Beziehungen. Erste Besitzansprüche. In dieser Phase sollten Bewährungshelfer eingreifen, falls der Mann bereits wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden ist.
  3. Kontrolle: Der Täter kontrolliert die Frau – emotional, finanziell, sozial oder auf andere Weise. Das Paar isoliert sich sozial. Ab dieser Stufe können Sozialarbeiter intervenieren, sagt Monckton Smith.
  4. Mord-Auslöser: Kontrollverlust durch Trennung, Angst vor Trennung oder finanzielle Probleme. Mit dem Kontrollverlust kann ein Sinneswandel einhergehen, der mit Mord enden kann.
  5. Eskalation: Der Täter versucht, die Kontrolle wieder zu erlangen. Jetzt kommt es zu emotionaler Erpressung, Todes- und Suiziddrohungen, Gewalt, Stalking. Spätestens jetzt muss die Polizei eingreifen, sagt Monckton Smith. Denn in mehr als 90 Prozent der untersuchten Tötungen sei es vor dem Mord zu Stalking gekommen. Stalking sei deshalb ein Warnzeichen für eine mögliche Gewalttat.
  6. Sinneswandel: Der Täter unternimmt letzte Versuche, um die Beziehung und damit die Kontrolle zurück zu bekommen. Doch das Opfer reagiert nicht. Der Verlust führt zum Sinneswandel beim Täter und es kommen Rache- und Mordgedanken auf.
  7. Mord-Planung: Der Täter verstärkt Drohungen und Stalking. Er plant den Mord, kauft Waffen oder versucht, die Partnerin allein zu treffen.
  8. Mord: Der Täter tötet seine Partnerin und versucht, sich als Opfer der Frau darzustellen.

Die Studie fand keine Hinweise darauf, dass ein bestimmter Frauentyp besonders gefährdet ist. Es könne jede treffen, sagte die Kriminologin der BBC. Zu lange habe man solche meist geplanten Frauenmorde als spontane Verbrechen aus Leidenschaft bezeichnet und damit dem Opfer eine Schuld zugeschoben.

Zum Infosperber-Dossier:

Gewalt

«Nur wer die Gewalt bei sich versteht, kann sie bei andern bekämpfen.» Jean-Martin Büttner

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