Wie Mann Vegetarierinnen und Feministinnen gemeinsam auf die Palme bringt.

Frau kocht und serviert, Mann isst

Wie Mann Vegetarierinnen und Feministinnen gemeinsam auf die Palme bringt.

Welchen Satz muss ich schreiben, um auch einmal eine breite Protestwelle auszulösen? Das fragte sich an einem grauen Novembertag eine graue Maus in der Redaktion der «NZZ am Sonntag». Darauf stöberte der Redaktor, der im Ressort «Wissen» arbeitet und nebenbei auch im Zweierteam Genderfragen behandelt, eine Studie auf, die zum Schluss kommt, vegetarische Kost mache depressiv (denn um die Arbeitsplätze im Wissenschaftsbetrieb zu sichern, gibt es inzwischen für jede unsinnige Behauptung und Gegenbehauptung eine Studie).

Das Ergebnis dieser «Langzeitstudie» der «amerikanischen Gesundheitsbehörde» mixte Patrick Imhasly mit dem traditionellen Rollenbild aus den 1960er-Jahren (die Frau kauft ein, kocht und serviert, der Mann sitzt am Tisch und isst), und er schrieb unter dem Titel «Ein Rindstartar für die gute Laune»: «Aber vielleicht sind ja die Stimmungsschwankungen des modernen Mannes und seine Schwierigkeiten, darüber zu reden, nicht so sehr in seiner Bockigkeit begründet. Vielmehr …», und nun folgt der Satz, der Vegetarierinnen, Vegetarier, Feministinnen und sich im Haushalt betätigende Männer gleichermassen auf die Palme bringen wird: «Vielmehr könnte es damit zu tun haben, dass ihnen ihre gesundheitsbewussten Frauen zu Hause selten genug ein schönes rotes Stück Fleisch vorsetzen.»

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