Grossbritannien plant Verbot von «Homo-Heilung»

Die konservative Regierung von Grossbritannien will «Homo-Heilung» verbieten. AktivistInnen geht der Plan nicht weit genug.

«Ich bin stolz, heute unseren LGBT-Action-Plan veröffentlichen zu können – und konkrete Schritte aufzuzeigen, die LGBT-Menschen das Leben erleichtern und die Diskriminierung und Ungleichheit, der sie sich gegenübersehen, zu beseitigen.» Mit diesen Worten stellte Premierministerin Theresa May Anfang Juli den LGBT-Aktionsplan von Grossbritannien der Öffentlichkeit vor.

Mit dem Aktionsplan soll die Ungleichbehandlung von «Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transpersonen» (LGBT) bekämpft werden.

Malta in der Vorreiterrolle
Um die Zielsetzung zu erreichen, sieht der «LGBT-Action-Plan» von Grossbritannien 75 Massnahmen vor. So zum Beispiel eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Community, Verbesserung an den Schulen oder die Einsetzung eines offiziellen LGBT-Gesundheitsberaters. Ausserdem sollen Konversionstherapien beziehungsweise «Heilung von Homosexuellen» verboten werden.

Wird das Verbot dieser «Heilungspraktiken» umgesetzt, nähme Grossbritannien eine Vorreiterrolle ein – zusammen mit Malta. Als erstes europäisches Land verhängte Malta im Jahr 2016 ein Totalverbot von Konversionstherapien. Im maltesischen «Gesetz zur Bestätigung von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und geschlechtlichem Verhalten» werden Konversionstherapien seitdem als generell irreführender und schädlicher Eingriff bezeichnet, für den es keine Rechtfertigung gebe.

Bereits im Jahr 2015 hatte Malta eines der fortschrittlichsten Gesetze für Trans- und Intersexuelle beschlossen. Laut der «Rainbow-Liste» galt die Insel 2016 als LGBT-freundlichstes Land in Europa.

Umfrage zeigte Handlungsbedarf
Nun will die konservative britische Regierung nachziehen. Bis zum Jahr 2020 sind für die Umsetzung des «LGBT-Action-Plan» umgerechnet 5.1 Millionen Euro vorgesehen. Dass in Grossbritannien – trotz der Abschaffung der «Clause 28», der Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe – Handlungsbedarf besteht, zeigte eine Umfrage, die innerhalb der LGBT-Community durchgeführt wurde.

108’000 Menschen beteiligten sich daran und schufen mit ihren Antworten die Grundlage für den «LGBT-Action-Plan». So ergab die Auswertung unter anderem, dass fünf Prozent der Befragten bereits angeboten worden sei, eine Konversionstherapie durchzuführen. Und das, obwohl die «Homo-Heilung» nicht nur von LGBT-Aktivisten, sondern auch von Psychologieverbänden abgelehnt wird. Aus gutem Grund: Konversionstherapien können Menschen in den Suizid treiben. So schrieb zum Beispiel der Weltärztebund im Jahr 2013, derartige Behandlungen würden die Menschenrechte verletzen und seien nicht zu rechtfertigen.

Weiter gaben zwei Drittel der Umfrage-TeilnehmerInnen an, aus Angst in der Öffentlichkeit nicht Händchen zu halten. Ein Viertel der Befragten hat wegen der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität bereits negative Erfahrungen am Arbeitsplatz machen müssen. Und die Mehrheit der Transpersonen berichtete, aus Angst vor Diskriminierung ihre Geschlechtsidentität in der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Aktivisten kritisieren Aktionsplan
«Ich war schockiert, wie viele Menschen gesagt haben, dass sie ihre sexuelle Orientierung nicht offen leben können», sagte Premierministerin Theresa May bei der Vorstellung des Aktionsplans. Im Plan seien nun konkrete Schritte dargestellt worden, um «echte und anhaltende gesamtgesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.»

Wie das Online-Portal queer.de schreibt, hätten LGBT-Aktivisten die Initiative der May-Regierung als positiven ersten Schritt begrüsst. Allerdings gibt es auch Kritik. So zum Beispiel vom prominenten Aktivisten Peter Tatchell. Gemäss queer.de bemängelt er den Plan, weil dieser nicht weit genug gehe. So würde zum Beispiel nichts gegen die Ausweisung von queeren Flüchtlingen getan, die aus homophoben Ländern geflohen seien. Ausserdem würden die Opfer der Verfolgung von Homosexualität nicht entschädigt.

Kritik von der Opposition
Die oppositionelle Labour-Partei bemängelte, der Plan sei zu vage. So würde auch beim Thema «Homo-Heilung» nicht eindeutig gesagt, ob diese künftig per Gesetz verboten würde. Ausserdem sei die Labour-Forderung, Verbrechen aus Hass auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten härter zu bestrafen, nicht erfüllt worden.

Die Labour-Partei fordert, dass Hassverbrechen auf LGBT-Menschen gleich hart geahndet werden, wie Verbrechen gegen Menschen, die aufgrund ihrer Rasse oder Religion zu Opfern von kriminellen Handlungen werden.
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