Für den israelischen Erziehungsminister sind die Mischehen der US-Diaspora-Juden ein «zweiter Holocaust».

Mischehen ein «zweiter Holocaust»?

Für den israelischen Erziehungsminister sind die Mischehen der US-Diaspora-Juden ein «zweiter Holocaust».

Antisemitismus, Judenhass, wird in einigen Ländern wieder öfter beobachtet, auch in Deutschland. Gleichzeitig wird aber der Begriff «Antisemitismus» verwässert, denn mehr und mehr – vor allem in Deutschland – gilt auch Kritik an der Politik Israels unter Ministerpräsident Netanyahu als «antisemitisch». Die Bemühungen der Israel-Lobby, Kritik an Israel so verhindern zu können, sind recht erfolgreich. In Deutschland dürfen zum Beispiel Banken jetzt Firmen oder Vereinen, die die BDS-Bewegung akzeptieren oder gar unterstützen, das Bankkonto aufkündigen. Infosperber hat schon mehrere Male zu dieser Thematik informiert.

Wenn Kritik an Netanyahu nun «antisemitisch» ist, gibt es naturgemäss mehr «Antisemitismus», denn Netanyahus Politik wird kritisiert und soll auch kritisiert werden dürfen, ebenso wie Trumps oder Putins oder Angela Merkels Politik.

Aber nicht nur der Begriff Antisemitismus wird verwässert. Auch das Wort «faschistisch» wird heute inflationär gebraucht. Nicht jede fremdenfeindliche oder migrationsfeindliche Haltung ist bereits «faschistisch». Auch darüber hat Infosperber berichtet.

Den Gipfel an Geschichtsverfälschung allerdings hat nun der israelische Erziehungsminister Rafi Peretz geliefert. In einer Kabinettssitzung hat er die Mischehen US-amerikanischer Juden mit Nicht-Juden als «zweiten Holocaust» bezeichnet. Das war denn auch für die israelische Tageszeitung «Haaretz» eins zu viel. Sie hat ausführlich darüber berichtet und auf weitere Quellen verwiesen.

Zur Erinnerung: Mit «Holocaust» wird die gezielte Vernichtung von rund 6 Millionen Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg bezeichnet. – Mischehen ein zweiter «Holocaust»?

Hat man in der Schweiz über den unsäglichen Vergleich des israelischen Erziehungsministers Rafi Peretz lesen können? Natürlich nicht, denn es wäre ja wieder «Antisemitismus», einen israelischen Minister zu kritisieren.

Zum Infosperber-Dossier:

Toleranz gegenüber Fundamentalisten?

Forderungen nach präventiver Überwachung der Bürger, nach Verboten von Waffen oder der Burka stehen im Raum.

2 Meinungen

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    am 7.Aug.2019 um 5:03 pm
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    ein weiterer brillianter Artikel von Christian Müller.
    Und ich bin sehr irritiert: mir wurde eingetrichtert, man dürfe keine Vergleiche mit dem Holocaust machen…

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    am 7.Aug.2019 um 2:51 pm
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    Die Regierung Israels hat teilweise eine weltsicht wie die AfD. Der israelische Erziehungsminister Rafi Peretz ist gar nicht legitimiert, US-Bürgern jüdischen Glaubens, irgendwelche Vorschriften zu machen.
    Dieses Verhalten führt dazu, dass sich nichtisraelische Juden permanent für die rechtsnationale Politik Israels rechtfertigen müssen, auch wenn sie anderer Ansicht sind.

    ‚Antisemitismus‘ wird als Kampfbegriff missbraucht, obwohl nur eine Minderheit der Semiten jüdischen Glaubens sind, die Mehrheit der Semiten sind jedoch Mohammedaner.

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