Von den Pensionskassen-Beiträgen kommt zu wenig den Renten zugute, weil Versicherungen mit dem Risikoteil Milliarden einstecken.

2. Säule: Ungebremste Abzockerei

Von den Pensionskassen-Beiträgen kommt zu wenig den Renten zugute, weil Versicherungen mit dem Risikoteil Milliarden einstecken.

Die vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte bezahlten Beiträge für die Pensionskasse dienen nicht nur dazu, im Pensionsalter eine Rente auszuzahlen. Mit einem Teil der Beiträge in die zweite Säule werden die Risiken einer Invalidität oder des Todesfalls vor Erreichen des Pensionsalters gedeckt.
Zum Abdecken dieser Risiken kassierten die Lebensversicherungen Allianz Suisse, Axa, Basler, Generali, Helvetia, Mobiliar, Pax, Swiss Life und Zürich im Jahr 2015 insgesamt

  • 2,6 Milliarden Franken.

Davon haben sie jedoch lediglich

  • 1,4 Milliarden Franken für die genannten Risiken ausgegeben.

Die enorme Differenz von 1,2 Milliarden behielten die Lebensversicherungen für sich.
Das Konsumentenmagazin K-Tipp hat Anfang Jahr elf Jahre von 2005 bis 2015 zusammengerechnet (Quelle: Finanzmarktaufsicht Finma):

  • Prämieneinnahmen von 31 Milliarden Franken standen
  • ausbezahlte Leistungen von 16,1 Milliarden gegenüber.

Die Differenz von 14,9 Milliarden ist der Bruttogewinn der Lebensversicherungen.
«Versicherte zahlen Milliarden zu viel», titelte der «K-Tipp». Von den Pensionskassenbeiträgen würde ein viel zu grosser Teil für die Risiken Invalidität und Todesfall abgezwackt.
Nicht alle Pensionskassen arbeiten mit Lebensversicherungen zusammen. Der K-Tipp fragte bei 25 solchen Pensionskassen und Sammelstiftungen nach. Nur elf davon haben ihre Zahlen offengelegt, wahrscheinlich eher diejenigen, bei welchen der Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben nicht zu gross ist: Bei den elf standen Prämieneinnahmen von insgesamt 758 Millionen für die Risiken im Jahr 2015 Ausgaben für Invalidität und Todesfallrenten in Höhe von 579 Millionen gegenüber. Die Einnahmen betrugen also rund 131 Prozent des Aufwands. Bei den Lebensversicherungen waren es im Jahr 2015 183 Prozent.
Weil es sich bei den Pensionskassenbeiträgen um gesetzliche Zwangsbeiträge handelt, fordert Matthias Kuert, Leiter Sozialpolitik der Gewerkschaft Travailsuisse, dass der Gesetzgeber die Höhe der Risikoprämien im Mehrjahresdurchschnitt auf 120 Prozent des Risikoaufwands beschränkt.
Kommentar von K-Tipp-Redaktor Gery Schwager: «Die Abkassierermentalität von Pensionskassen und Versicherungen bei den Risikoprämien bekommen Angestellte und Arbeitgeber sehr direkt zu spüren: In Form von tieferen Netto-Löhnen und höheren Lohnkosten. Fielen die überhöhten Abzüge weg, käme das der Wirtschaft zugute. Würde das Geld zum Altersguthaben der Prämienzahlenden statt in die Risikoprämien fliessen, resultierten höhere Renten.»
Es geht um Milliarden. Wer höhere Pensionskassenbeiträge fordert, um künftige Renten zu sichern, macht sich ziemlich unglaubwürdig, wenn er nicht zuerst dafür sorgt, dass dem Abzocken bei den Risikoprämien der Garaus gemacht wird.
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Zum Infosperber-Dossier:

Pensionskassen der Zweiten Säule

Die 2. Säule muss laut BV «die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise» garantieren.

11 Meinungen

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    am 24.Sep.2017 um 5:42 pm
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    Nach 2 X Nein – gilt es die 2. Säule unverzüglich auf den Prüfstand zu stellen.

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    am 2.Aug.2017 um 6:14 pm
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    Für mich ist es schwierig nachzuvollziehen, ob mit einem JA die AHV gestärkt oder geschwächt wird. Tatsache ist, die obige Rechnung wurde schon bei der Pensionskassen-Abstimmung vor über 30 Jahren gemacht und veröffentlicht. Leider von der falschen Partei. Das Stimmvolk ist damals den Rattenfängern nachgelaufen.

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    am 24.Jul.2017 um 4:14 pm
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    @Rolf Zimmermann, Ihre Zeilen bekräftigten mich in meiner Entscheidung mit NEIN zu stimmen. Ihre Argumentation reduziert sich im wesentlichen darin, dass ein JA zur «Reform» die AHV stärken würde. Das ist ein Trugschluss. Die AHV wird als Reserve Rad eingesetzt, um die Fehlkonstruktion 2. Säule noch ein paar Jahren über Wasser zu halten. Beispiel unter Vielen: Pro Jahr fliessen 15 Milliarden Franken der zweiten Säule ins Ausland. Überdies ist das angelegte Geld auch in der Schweiz nicht sicher, da zumindest im Inland sichere Anlagen begrenzt sind. Zur Erinnerung: Beim Swissair-Debakel haben die Pensionskassen an die 5 Milliarden Franken verloren. Die zweite Säule wird in der Schweiz nur wenig kritisiert, während alles auf die AHV starrt, welche weiterhin den Prügelknaben der Sozialversicherungsdiskussion spielt. Die globalisierte Marktwirtschaft wird mit dem Markt begründet, der alles effizienter macht, so argumentiert die «Branche». Mehr Effizienz heisst aber auch, dass mit gleichem Aufwand mehr produziert werden kann. Die Folge müsste sein, dass es uns allen besser ginge. Und jetzt sagt man den Menschen, die Altersvorsorge sein nicht mehr finanzierbar. Also müssen die Rentner den Gürtel enger schnallen. Daraus kann politischer Druck entstehen, die Leistungen zu kürzen. Ist dieser Druck erst einmal vorhanden, was Ihre Zeilen beweisen, dann liegt es im Interesse der jungen Aktiven, den Rückbau möglichst rasch herbeizuführen, um den Schaden zu minimieren. Divide et Impera.

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    am 24.Jul.2017 um 2:37 pm
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    @ D’Aloia: Eine letzte Antwort nur noch, weil ich kein unendliches Pingpong möchte: Zu meinen, ein Nein beseitige die 2. Säule, ist eine Illusion jenseits der Abstimmungsfrage am 24. September und auch jenseits der politischen Kräfteverhältnisse. Hauptgegner der Vorlage ist die bürgerliche Rechte (SVP, FDP, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände), die im Parlament die AHV abbauen und die 2. Säule stärken wollte. Ihr Nein verlängert die Reformblockade und will eine Politik der leeren AHV-Kasse, um den von diesen Kreisen seit Jahren bekämpften Mischindex zu streichen. Das würde die AHV-Renten insgesamt schwächen. Ihre Hauptkritik gilt den besseren AHV-Neurenten. Sie wären sicher vom Tisch, hingegen ein höheres Rentenalter wahrscheinlicher. Die vorliegende Reform ist ein guter Kompromiss. Er stärkt, sichert und schützt die AHV. Wenn Sie dies gemäss Ihren Worten auch wollen, müssen sie Ja stimmen. Der von Ihnen gewünschte grosse Systemwechsel steht nicht zur Abstimmung.

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    am 24.Jul.2017 um 12:46 pm
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    @Rolf Zimmermann, Danke für Ihre konstruktive Beiträge und Steilvorlage diese «Behauptungen der 2. Säule Fans» als unbegründet zu widerlegen. Hierzu:

    http://ahvplus-initiative.ch/wp/index.php/fuenf-fakten-zur-ahv-und-warum-diese-gestaerkt-werden-muss/

    Kapitel 2. Säule:

    Die Kapitalanlagen, die von den Kundengeldern (Arbeitnehmer und Arbeitgeber) nach – Abzug von Milliarden an Verwaltungskosten und Provisionen – gebildet werden, fliessen in festverzinslichen Papieren wie Unternehmensanleihen und Staatsanleihen, und zum Teil in Aktien, Grundstücke und andere Sachwerte. Die versprochenen Rentenleistungen (Altersguthaben + Verzinsung x Umwandlungssatz:12) werden folglich nur dann möglich sein, wenn man dazu auch die fliessenden Beiträge heranzieht, – ein Prinzip, bei dem man in der Regel von einem Schneeballsystem spricht. Der Vergleich mit einem Schneeballsystem mag plakativ sein, doch es ist keine polemische Diffamierung, es ist eine zutreffende Beschreibung der Realität. Die Fehlkonstruktion 2. Säule wird aus der Diskussion (auch und vorallem im Parlament) medial völlig augeblendet. Ein Skandal und einer Demokratie unwürdig. Ein grosses Dankeschön an Infosperger und mutigen investigativen Berichterstatter. Ein Ja zur Altersreform wäre FATAL! Das wäre ein Blankocheck für die «Branche» und deren politischen «Wasserträger». Ein klares NEIN wäre eine einmalige Chance für unser Land, endlich die Fehlkonstruktion 2. Säule auf dem Prüfstand zu stellen und die AHV zu stärken/sichern

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    am 24.Jul.2017 um 12:32 pm
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    @ D’Aloia: Ich teile ihre Kritik an der 2. Säule. Dennoch ist es wichtig der Reform zuzustimmen, sonst sorgen die 2.-Säulen-Fans von rechts dafür, dass mit weiterer Blockade die AHV auf die «Intensivstation» kommt, wo sie sie seit langem behaupten. Ein Ja stärkt und schützt die AHV und relativert die 2. Säule im System.

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    am 24.Jul.2017 um 12:18 pm
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    @Rolf Zimmermann, Sie unterliegen der Propaganda der Pensionskassenvertretern. Die interessengeleitenden Medien haben während der Parlamentsdebatte die Lage so dargestellt; als sei die AHV das zu behandelnde Sorgenkind. Irrtum!!. Auf dem Sterbebett liegt die 2. Säule! Die Altersreform 2020 ist im Übrigen verfassungswidrig. Bereits Pensionierten und die NeurentnerInnen werden nicht mehr dieselbe AHV-Rente erhalten.

    https://pda.ch/2017/07/referendum-gegen-die-altersvorsorge-2020-eingereicht/

    Mathematisch ist die 2. Säule nicht mehr zu retten (kapitalgedeckte Rente). Was wir gerade medial erleben, ist ein Überlebenskampf der «Branche» die Milliardenhonorrare nicht zu verlieren. Nächster Schritt; sollte die Altersreform 2020 angenommen werden, wäre ein Eingriff in laufenden Pensionskassenrenten. Spätestens dann, werden die Menschen das System der 2. und 3. Säule zu hinterfragen beginnen. Und es lohnt sich dieses System unter die Lupe zu nehmen. Statistik, Finanzmärkte, Verflechtung zwischen Politiker und «Branche», Medien, Immobilien Sammelbecken usw. Hierzu passt:

    Am 6. Mai 2017 sagte der CEOvon AXA Gerber:

    Zitat

    «Diese Reform ist besser als der Status Quo und ohne Reform müssten wir wieder bei null anfangen», so Gerber. Allerdings brauche es weitere Reformen.» Zitat Ende
    https://www.cash.ch/news/boersenticker-firmen/axa-winterthur-im-bvg-geschaeft-mit-geringeren-praemieneinahmen-1071560

    Ich überlasse es Ihrer Vorstellungskraft das weitere Diktat der Branche zu erahnen.

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    am 24.Jul.2017 um 11:36 am
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    Deshalb ist es umso wichtiger, dass die AHV mit der «Altersvorsorge 2020» im System gestärkt wird. Wir stimmen darüber im September ab. Weil die Vorlage AHV und 2. Säule umfasst, verschiebt sie neu die Gewichte und wertet die sozialere (und eben nicht abzockende sondern solidarische) AHV gegenüber den PK auf. Ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Man sollte also wegen der berechtigten Kritik an der 2. Säule und den Lebensversicherern nun nicht das Kind mit dem Bad ausschütten, sondern mit JA die AHV stärken. Die dafür nötigen höheren Neurenten machen es möglich und die paar Mehrwertsteuerpromille sichern die AHV-Finanzen generell, so dass alle AHV-Renten weiterhin automatisch der Lohn- und Preisentwicklung folgen können. Ein entscheidender Vorteil gegenüber den PK.

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    am 24.Jul.2017 um 10:35 am
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    Was wir hier gerade erleben, ist ein Frontalangriff auf die arbeitende Bevölkerung. Es geht viel weiter:

    https://pda.ch/2017/03/petition-kein-blankocheck-fuer-die-versicherungen-nein-zu-kostenpflichtigen-versicherungsgerichten/

    Fazit:

    2. Säule Abschaffen! BVG Obligatorium der AHV zuführen. Die Symbiose Staat/Banken, Versicherungen, Stiftungen sprengen. Die gesamte Steuergesetzgebung sollte auf dem Prüfstand.

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    am 24.Jul.2017 um 9:47 am
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    Wärend über all die vielen Jahre die Leistungen der PK nur noch gekürzt wurden, man zehn tausende Scheininvalide und Arbeitslose durch das Land hetzte. Wer hat überhaupt ein Interesse an einer FINMA und wer darf sich dort rechtswirksam verbindlich nachvollziehbar beschweren und wer genau nicht? Die FINMA hat schon mal die Vorgänge um die PK Prämien und Leistungen u.a. der IV untersucht und all das obszöne scheffeln für normales geschäften eingestuft. Da ging es um die Jahre 2003 – 2012 und Einnahmen von 23 Mrd. sowie Leistungen von 11 Mrd. also um Rendite von 55% über 9 Jahre und die PK und IV Leistungen für hunderte tausende Arbeiter. Erinnert mich im gleichen Zeitraum wie man die «Scheininvaliden» und «schmarotzenden Sozialhilfebezüger» durch das Land hetzte und wie sich eine willfährige Meute von Abstimmungsberechtigten ausgesprochen hat die oben erwähnten Volksschädlinge gerecht zu bestrafen und egal wie krank und behindert auf Arbeitssuche zu schicken. Von den Profiten der privaten PK und IV Versicherungen redete in dieser Zeit kaum jemand… doch dort finden sich die schwarzen Zahlen wärend man die Arbeiter auffordert noch ein paar Jahre länger zu arbeiten, die Jungen auf die Alten hetzt weil man das alles nicht mehr bezahlen kann und wir über unsere Verhältnisse gelebt haben… Regeln eines Spiels die völlig einseitig wärend dem spielen abgeändert werden.

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    am 24.Jul.2017 um 6:55 am
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    AHV ausbauen und 2. Säule reduzieren!

    Um im Rentenalter die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise sicherzustellen (Art 113 Abs. 2 a. BV) ist – zumindest für die KleinverdienerInnen – der Ausbau der AHV besser geeignet als die zusätzliche Alimentierung der 2. Säule, da er effizienter und unabhängig von Finanzmarktturbulenzen ist. Durch die variable Beteiligung des Bundes an den AHV-Ausgaben können auch Finanzierungsprobleme der Renten flexibler gelöst werden. Auf eine Erhöhung des Rentenalters über 65 Jahre ist zu verzichten.

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