In «Team 3» ist Kooperation angesagt. Einfacher gesagt als getan, weil die Kommunikation in der Gruppe empfindlich gestört ist.

Der Spieler: Die drei Affen, die viel über ein Spiel verraten

In «Team 3» ist Kooperation angesagt. Einfacher gesagt als getan, weil die Kommunikation in der Gruppe empfindlich gestört ist.

«Nichts sagen, nichts hören, nichts sehen.» Wer die drei Affen auf dem Cover von «Team 3» sieht, denkt unweigerlich an das japanische Sprichwort, über dessen Geschichte und Bedeutung schon eine Menge geschrieben worden ist. Weil dies über die einschlägigen Suchmaschinen leicht zu finden ist, gehe ich an dieser Stelle nicht darauf ein, zumal der tiefere Sinn des Spruchs und das Spiel selber gar nichts miteinander zu tun haben.

Zumindest nichts auf der philosophischen Ebene. Denn die drei Affen, die mittlerweile sogar Emoji-Berühmtheit erlangt haben, verraten sehr viel über die Herausforderung, die wir hier im Dreierteam miteinander zu bewältigen haben. Drei Minuten haben wir Zeit, um gemeinsam aus ein paar farbigen Kunststoffteilen, die an Tetris erinnern, ein Bauwerk zu errichten. Den jeweiligen Bauplan, der auf einem Kärtchen abgebildet ist, kennt nur der Architekt. Dieser darf aber nicht sprechen. Der betreffende Spieler muss deshalb die nötigen Anweisungen mit Gesten weitergeben. Jetzt wird die Sache kompliziert: Da der ausführende Bauarbeiter nichts sieht, ist er darauf angewiesen, dass ihm der Bauführer als Dritter im Team die Handzeichen des Architekten in Worte übersetzt.

Knappe Vorgaben

Mehr Regeln gibt es in «Team 3» nicht. Aber es ist sensationell, was sich aus diesen knappen Vorgaben entwickelt: Wir gestikulieren wie verzweifelt, ringen um Worte und ertasten den richtigen Platz für die Bauteile – und kugeln uns vor Lachen oder stöhnen vor Verzweiflung. Doch das steht nicht in der Spielanleitung, sondern kommt von selbst. Denn das Spiel macht unheimlich Spass, bereits schon in der Dreierversion, mehr noch, wenn zwei Teams gegeneinander antreten, wozu man aber zwei Ausgaben des Spiels benötigt.

Meines Erachtens bietet «Team 3» jedoch mehr als blosse Unterhaltung. An diesem Spiel lässt sich nämlich auch hervorragend demonstrieren, dass eine Gruppe nur erfolgreich zusammenarbeiten kann, wenn die interne Kommunikation stimmt. In «Team 3» kämpfen wir mit verschiedensten Störungen: So hat der Architekt seine Sprache verloren und ist deshalb auf seine Hände und Arme angewiesen, um dem Bauführer mitzuteilen, welche Teile zur Konstruktion benötigt werden und wie das Bauwerk am Schluss aussehen muss. Der Arbeiter sieht nichts – eine weitere Störung – und benötigt deswegen mündliche Anweisungen. Diese führen jedoch nur zum Ziel, wenn der Bauführer die Gesten und Handzeichen des Architekten verstanden hat und richtig interpretiert. Je besser ein Team mit diesen Störungen umzugehen weiss, desto erfolgreicher ist es.

Fördert den Zusammenhalt

Vor diesem Hintergrund sehe ich «Team 3» auch als hervorragendes Mittel, um die Kommunikation innerhalb einer Gruppe und darüber hinaus den Zusammenhalt untereinander zu fördern. In unseren Runden erlebe ich immer wieder, wieviel die Teilnehmenden von sich preisgeben, meistens ganz unbewusst. Da ist zum Beispiel ein Mitspieler, der als Bauführer viele Worte macht, während ein anderer nur knappe, jedoch umso präzisere Anweisungen gibt, sehr zum Gefallen des Bauarbeiters. Oder der Mitspieler, dem man ansieht, wie es ihm Mühe macht, aufs Maul zu hocken, wie es die Spielregeln verlangen. Im Alltag dürfte er wohl auch jemand sein, der eher das Wort ergreift, statt zu schweigen.

Ich sehe neben dem Teambuilding noch eine weitere Möglichkeit, wo «Team 3» wertvolle Dienste leisten könnte. Denn so spielerisch und witzig «Team 3» auch daher kommt, üben wir hier den Umgang mit Behinderungen. Ertasten und Ergreifen von Gegenständen sind für uns Normalsehende eine Selbstverständlichkeit. Dieser Vorgang wird in «Team 3» jedoch zu einer anstrengenden Herausforderung, weil wir in der Rolle des Bauarbeiters «blind» sind. Wir erleben direkt, was passiert, wenn das Zusammenspiel von Sehen und Greifen plötzlich gestört ist und wir hilflos im Dunkeln herumtappen. Und wenn der Bauführer, der uns eigentlich führen müsste, Anweisungen in der Art gibt: «Nein, nicht das rote, sondern das blaue Teil!», ist das nicht besonders hilfreich. Solche Missverständnisse entstehen nicht absichtlich, sondern meistens aus Unachtsam- und Sorglosigkeit, auch das macht uns dieses Spiel bewusst.

Es steckt also wirklich viel in diesem «Team 3», in erster Linie viel Spass und beste Unterhaltung. Eine echte Empfehlung, gerade für den nächsten Silvesterabend!

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Team 3: Kooperatives Bauspiel von Alex Cutler und Matt Fantastic für 3 bis 6 Spielerinnen und Spieler ab 8 Jahren. Abacus-Spiele (Vertrieb Schweiz: Carletto AG, Wädenswil), ca. Fr. 27.- Es gibt eine grüne und eine pinkfarbige Variante, die beide das Grundspiel samt Mini-Erweiterung enthalten.

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