Der Begriff «Kuhhandel» prägte im Nationalrat die Steuer-Debatte. Das Spiel dazu ist eines der besten Auktions- und Bluffspiele.

Der Spieler: «Kuhhandel» – Das Spiel zum Wort der Woche

Der Begriff «Kuhhandel» prägte im Nationalrat die Steuer-Debatte. Das Spiel dazu ist eines der besten Auktions- und Bluffspiele.

Dem christdemokratischen Nationalrat Markus Ritter gefiel des gar nicht, wie einige seiner Ratskolleginnen und -kollegen am Mittwoch dieser Woche den AHV-Steuer-Deal mit dem Begriff «Kuhhandel» titulierten. Als Präsident des Schweizerischen Bauernverbands sah er sich zur Korrektur gezwungen. Und so leitete er sein Votum mit den Worten ein, er müsse «noch etwas zu den landwirtschaftlichen Gepflogenheiten» sagen: «Beim Kuhhandel gibt es so einige Regeln, die Sie einhalten sollten, wenn Sie einmal eine Kuh kaufen oder verkaufen sollten: 1. Absolute Ehrlichkeit; 2. Es gibt keine schriftlichen Verträge, sondern Handschlag; 3. Das Wertvollste, was Sie mit falschen Aussagen oder Tieren, die entgegen den gegebenen Versprechungen die entsprechende Leistung nicht bringen, verlieren können, ist Ihre Glaubwürdigkeit. Ich bitte Sie, das zu berücksichtigen und das Wort ‚Kuhhandel‘ in einem positiven Sinne zu verwenden.»

Das Wort des höchsten Landwirts der Schweiz wirkte: Der Begriff «Kuhhandel» kam in der nachfolgenden Parlamentsdebatte (bis auf eine Ausnahme) nicht mehr vor. Begreiflich, da alle, welche die Verknüpfung von Steuerreformen mit Massnahmen im Bereich der staatlichen Altersversicherung kritisierten, darin nichts Positives im Ritterschen Sinne erkannten, sondern das, was gemeinhin als «Kuhhandel» bezeichnet wird – ein «undurchsichtiges Tauschgeschäft» oder ein «abgekartetes Spiel».

Ohne Schlitzohrigkeit geht nichts

Das echte Spiel «Kuhhandel» – und damit wechseln wir auf eine andere Ebene – gibt es seit 1985, also seit mehr als dreissig Jahren. «Ohne eine gewisse Schlitzohrigkeit ist es kaum zu gewinnen», schrieb die Jury «Spiel des Jahres» damals. Es ist bei mir zwar ein wenig in Vergessenheit geraten, aber als es aus aktuellem Anlass dieser Tage wieder auf den Tisch kam, wurden sofort Erinnerungen wach an frühere Runden, an die Emotionen, den Ärger, die Schadenfreude, die heisere Stimme, alles ausgelöst durch ein kleines Kartenspiel, das von seiner Vitalität nichts eingebüsst hat und heute noch zu den besten Auktions- und Bluffspielen zählt.

«Kuhhandel» ist ein recht einfaches Spiel. Ziel ist es, aus den vorhandenen Tierkarten möglichst viele Quartette zu bilden. Denn nur für diese gibt es Siegpunkte. Die für die Quartette nötigen Karten beschafft man sich, indem man die nach und nach aufgedeckten Tierkarten ersteigert oder sie bei sogenannten Tauschhandelsaktionen von den Mitspielenden kauft/abluchst/erobert. Die Wortwahl deutet an, warum bei diesem Spiel eine «gewisse Schlitzohrigkeit» nötig ist, von der die Jury «Spiel des Jahres» gesprochen hat. «Kuhhandel» nennt sich diese Aktion, die im Prinzip so abläuft: Wir, ein Mitspieler und ich, haben je zwei Schafe im Stall. Ich möchte ein Quartett aus Schafkarten bilden und biete dem Mitspieler dazu einen Kuhhandel an. Mit Hilfe von Geldkarten mache ich ein verdecktes Gebot. Der Mitspieler kann es entweder annehmen, bekommt das Geld und ich die Tiere (und mein Quartett ist vollständig), oder aber er lehnt mein Gebot ab und macht ein Gegengebot. Wer mehr geboten hat, bekommt nun die Tiere.

Ein verdecktes Spiel

Das verdeckte Spiel um Geld – jeder behält das Geld aus dem Gebot des Mitspielers – und Tiere macht aus «Kuhhandel» ein interaktives Spiel von höchst emotionaler Intensität. Das Ganze ist bisweilen rational kaum in den Griff zu bekommen. Viele Menschen mögen das nicht und machen um Spiele dieser Art einen weiten Bogen. Auktions- und Bluffspiele werden oft auch gemieden, weil man bei diesen gezwungen ist, Persönliches preiszugeben oder sich so zu verhalten, wie man es eigentlich nicht möchte (indem man, um an Geld zu kommen, ein faules Gebot macht und so den Mitspieler täuscht …). Ich persönlich mag solche Spiele und empfehle sie auch, wenn ich nach Spielen gefragt werde, die sich für Teambildungsanlässe eignen: Einige Partien «Kuhhandel» und schon erfahre ich sehr viel über meine Mitspielerinnen und Mitspieler.


Kuhhandel: Auktions- und Bluffspiel von Rüdiger Koltze für 3 bis 5 Spielerinnen und Spieler ab 10 Jahren. Ravensburger Spiele (Vertrieb Schweiz: Carlit + Ravensburger, Würenlos), Fr. 12.50. Es gibt auch noch ein Brettspiel «Kuhhandel». Persönlich bevorzuge ich die schlanke Grundversion.

Zum Infosperber-Dossier:

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Spielen macht Spass. Und man lernt so vieles. Ohne Zwang. Einfach so.

Eine Meinung zu

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    am 15.Sep.2018 um 12:42 pm
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    Ich befürchte, dass Politiker (bis 90 Jahre) ohne das Spiel «Kuhhandel» zu kennen nicht mehr erfolgreich sein werden.
    In letzter Zeit habe ich das beklemmende Gefühl, dass «Demokratie» (nicht nur in der Schweiz) zu einem «Kuhhandel» verkommt, wo verdeckte und verlogene Interessen versuchen, den Bürger über den Tisch zu ziehen. Das gelingt umso besser, je unmündiger die gutgläubigen Bürger sind. Beispiel? Der BR will Atombomben nicht abschaffen, um sich notfalls unter den Schutz von Nato-Atombomben stellen zu können und gibt vor, das sei der Wille der Bürger. Kuhhandel der übelsten Sorte.

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