Der Verein «Swissveg», der sich für pflanzliche Ernährung engagiert, kritisiert eine Studie der Fachhochschule in Zollikofen.

«Einseitige Studie: Die Kuhmilch kommt zu gut weg»

Der Verein «Swissveg», der sich für pflanzliche Ernährung engagiert, kritisiert eine Studie der Fachhochschule in Zollikofen.

Ein von der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL veröffentlichter Vergleich zwischen Kuhmilch und Milchalternativen sei einseitig zugunsten der Milch ausgefallen, beanstandet der Verein «Swissveg». Unter dem Titel «Sojamilch & Co: Weder gesünder noch natürlicher» habe die SRF-Konsumentensendung «Espresso» die Studie unkritisch verbreitet und einseitig ausgewertet.
Der Vergleich der HAFL kommt zu folgender Schlussfolgerung:
«Pflanzenbasierte Getränke enthalten oft einen tieferen Proteingehalt, weniger essenzielle Aminosäuren, weniger Kalzium, weniger Vitamine – dafür aber zugesetztes Salz und möglicherweise Zucker. Der Ersatz von Kuhmilch allein durch pflanzenbasierte Getränke sollte deshalb mit Vorsicht angegangen und mögliche resultierende Nährstoffdefizite mit anderen Nährstoffquellen ausgeglichen werden.»

Einwände von «Swissveg» zu einigen der verbreiteten Hauptaussagen der Studie

  1. Studie: «Alle Milchalternativen weisen einen tieferen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und, ausser bei den Quinoa-basierten Getränken, einen leicht tieferen Energiewert auf.»

    Einwand von «Swissveg»: Ein geringer Fettgehalt ist meist erwünscht, und auch Energie nehmen wir in der Schweiz über unsere Nahrung eher zu viel als zu wenig auf. Hinzu kommt, dass gerade die gesättigen Fettsäuren in zu hohem Masse konsumiert werden und hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommen.

  2. «Kuhmilchprotein enthält 3,1% Methionin. Wird Kuhmilchprotein durch Sojaprotein oder Mandelprotein ersetzt, dann reduziert sich der Methioningehalt auf 1,48% oder gar 0,39%.»

    Es ist tatsächlich wichtig, dass man über die Ernährung alle essentiellen Aminosäuren zu sich nimmt. Doch entgegen früherer Annahmen muss dies nicht in derselben Mahlzeit (und schon gar nicht im selben Getränk) geschehen. Der kleinere Methioningehalt kann durch andere Produkte ausgeglichen werden. Viele pflanzliche Produkte haben einen hohen Methioningehalt (Nüsse, Reis, Samen …).

  3. «Eine Portion Kuhmilch trägt zur Deckung von 24%, 16% oder 20% der empfohlenen Tagesdosis für Erwachsene, Kinder bzw. Kleinkinder bei. Soja-, Mandel- und Quinoa-basierte Milchalternativen dagegen decken den empfohlenen Tagesbedarf nur zu rund 2%.»

    Der Kalziumgehalt eines Produktes ist nur ein Faktor unter vielen, der nicht alleine entscheidend ist, ob jemand durch Kalziummangel Osteoporose bekommt oder nicht. Nachweislich schützt ein hoher Kuhmilchkonsum nicht vor Osteoporose. Tierische Produkte stehen sogar in Verdacht zu erhöhter Kalziumausscheidung im Körper beizutragen und somit Osteoporose zu fördern statt zu verhindern.
    [Studienautorin Katrin A. Kopf erklärt dazu, Kalzium sei auch für andere Prozesse im Körper wichtig.]

  4. «Aromatisierte Milchalternativen enthalten zwei bis acht Mal so viel Zucker wie die nicht-aromatisierte Variante.»

    Dies ist korrekt. Glücklicherweise gibt es nicht-aromatisierte Kuhmilch und nicht-aromatisierte Milchalternativen. So kann jeder selbst das Produkt wählen, das ihm zusagt. Dies hat jedoch nichts mit dem Vergleich von Milchalternativen mit Kuhmilch zu tun.

  5. «Die Ergebnisse zeigen, dass Kuhmilch einen höheren Gehalt an Protein und an essentiellen Aminosäuren besitzt als die meisten in dieser Studie analysierten pflanzenbasierten Getränke.»

    Diese Aussage ist korrekt. Jedoch kommt ein Proteinmangel in der Schweiz (bei ausreichender, abwechslungsreicher Ernährung) kaum vor – im Gegensatz zum Proteinüberschuss.
    Der durchschnittliche Mann braucht am Tag etwa 56 Gramm, die durchschnittliche Frau rund 46 Gramm, hat das US-«Institute of Medicine» berechnet (siehe «Huffington Post»). Tatsächlich aber konsumiert die Bevölkerung über 50 Prozent mehr (in den USA und wohl auch in der Schweiz).

  6. «Kuhmilch besitzt rund sechs Mal mehr Kalzium als die in dieser Studie untersuchten pflanzlichen Getränke.»

    Dies führt nicht zu weniger Knochenbrüchen, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt. Deshalb ist dieser höhere Gehalt von geringem Nutzen. Käse, Bohnen, Brokkoli, Lachs, Joghurt, brauner Reis, Orangen, Kohl und Erbsen sind genügende Quellen für Kalzium.

  7. «Sehr vielen der untersuchten pflanzenbasierten Getränke wurden Salz und Zucker zugesetzt.»

    Dies gilt auch für die Kuhmilchprodukte. Dazu reicht ein Blick ins Verkaufsregal eines Supermarktes: Die «reine» Kuhmilch ist eine Minderheit im Angebot der Milchgetränke.

  8. «Die schweizerische Ernährungsstrategie hat zum Ziel, den Zusatz von Salz und Zucker bei der Herstellung von Lebensmitteln zu reduzieren, da er mit der starken Zunahme von nicht-übertragbaren Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist.»

    Die aufgeführten Zivilisationskrankheiten werden alle durch eine Ernährung mit viel tierischen Produkten bzw. tierischem Fett gefördert. In diesem Zusammenhang ist also vom Konsum der fettreichen tierischen Milch eher abzuraten.

Einseitiger Vergleich

  • Die Fragestellung war so ausgelegt, dass nur Punkte in Betracht gezogen wurden, bei denen absehbar war, dass die Kuhmilch positiver da steht als die Konkurrenzprodukte.
  • Es wurden gesüsste Milchalternativen mit ungesüsster Kuhmilch verglichen.
  • Der hohe Fettgehalt der Kuhmilch wurde nicht thematisiert. Im Gegenteil, er ist sogar beim «Energiewert» positiv eingeflossen, obwohl er für die Gesundheit eher negative Auswirkungen hat.
  • SRF1 schreibt, die Studienautorin rate von Milchersatzprodukten bei Babies ab. Verschwiegen wird, dass Babies auch keinesfalls Kuhmilch gegeben werden sollte.
  • Es bleibt der falsche Eindruck, dass Milchersatzprodukte ungesünder als Kuhmilch seien.

Neben diesen einseitig herausgesuchten Nährstoffen wurden Inhaltsstoffe, bei denen die Kuhmilch schlecht abschneidet, bei der Auswertung der Studie ignoriert*. Dazu gehören z.B.:

  • Milchzucker (Laktose): Praktisch jede fünfte Person in der Schweiz ist laktoseintolerant. Diese Personen haben Probleme mit der Verdauung des Milchzuckers. Sie bekommen davon Blähungen oder Durchfall. Diese Zuckerart ist ausschliesslich in tierischer Milch enthalten und kommt bei allen pflanzlichen Produkten nie vor.
  • Tierische Fette: Natürliche Kuhmilch hat für ein Getränk einen sehr hohen Fettgehalt. Kaum ein anderes Getränk hat einen so hohen Fettgehalt wie die Kuhmilch. Ausserdem enthalten ausschliesslich tierische Produkte Fette in Form von Cholesterin.
    [Dazu meint Studienautorin Katrin A. Kopf, das Cholesterin in der Milch habe keine negativen Wirkungen.]
  • Faserstoffe: Aus gesundheitlicher Sicht sind Faserstoffe sehr wertvoll. Kuhmilch enthält, wie alle tierischen Produkte, überhaupt keine davon.

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*Studienautorin Katrin A. Kopf zitiert aus der Originalstudie positive Aspekte von Milchersatzprodukten, welche die Sendung «Espresso» allerdings nicht erwähnte:
«For example, previous research found that quinoa is a good source of iron,magnesium and zinc when compared to the daily mineral recommendations. The non-dairy plant-based products contain beneficial nutrients and, possibly, bioactive substances that might exhibit positive health effects. In our study, we focussed on protein,calcium, salt and sugar content, but all the other nutrients should be considered as well. In addition, we only focussed on the recommended serving size and did not consider the calories intake with the beverages. For example, the consumption of a less caloric plant-based beverage might induce a higher uptake of other protein sources at other meals.»

Eine Meinung zu

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    am 23.Mrz.2018 um 1:25 pm
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    Allen, die an den gesundheitlichen Folgen durch Konsum von tierischen Proteinen interessiert sind, empfehle ich das Buch «China Study» zu lesen. Darin wird mehrfach und empirisch belegt, welche Folgen der Konsum von tierischen Produkten hat. Dieses Buch resp. diese Studien sind/wären ein Geschenk für unsere Gesundheit!
    Leider wird allzu oft darüber geschwiegen. Oder wie in obigem Artikel beschrieben, werden pflanzenbasierte vollwertige Nahrungsmittel sogar zunichte gemacht – man bedenke, was eine Wirtschaft aus der Sicht diverser Interessegruppen wäre mit gesunden Menschen?! Ich hoffe und wünsche uns Menschen mehr Bewusstsein und Eigenverantwortung!

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