Panne verzögert Betrieb der grössten Batterie

Das Pumpspeicher-Kraftwerk Linth-Limmern geht später in Betrieb als geplant. Wer die Kosten der Verzögerung bezahlt, ist offen.

Mit einer Pump- und Turbinenleistung von je tausend Megawatt ist das Glarner Pumpspeicher-Kraftwerk Linth-Limmern die grösste Batterie der Schweiz. Der Stromkonzern Axpo als Betreiber und Hauptaktionär und der Kanton Glarus als Minderheitsaktionär haben dafür die rekordverdächtige Summe von 2,1 Milliarden Franken investiert. Das oberirdische Paradestück, die neue Staumauer des Muttsees, wurde im September 2016 eingeweiht; die Medien berichteten ausführlich darüber. Seither herrscht weitgehend Funkstille.

Betriebsbeginn erst Ende Jahr

Schon Ende 2016 hätte die halbe, Mitte 2017 die ganze, weitgehend unterirdische Kraftwerk-Anlage den kommerziellen Betrieb aufnehmen sollen; das kündigte die Axpo im Sommer 2016 an. Nach neustem Fahrplan, so teilt die Axpo jetzt auf Anfrage mit, beginnt der kommerzielle Betrieb aber erst Ende 2017. Dazu beschwichtigt Axpo-Sprecher Ueli Walter: «Bei derartig hochkomplexen Projekten ist es üblich, dass sich Anpassungen im Projektplan ergeben.»

Über eine konkrete Ursache für diese mindestens halbjährige Verzögerung hat die «Südostschweiz» schon im vergangenen November informiert: Der Rotor der ersten Maschinengruppe musste nach einem Defekt ausgebaut und repariert werden, was laut Axpo inzwischen geschehen ist. Doch offenbar gab und gibt es weitere Probleme. Denn alle vier Maschinengruppen mit je 250 Megawatt Leistung befinden sich zurzeit immer noch im Testmodus, der schon im Sommer 2016 startete.

Dieser Probebetrieb erfordert in der Regel bei jeder Maschinengruppe 720 Pump- oder Turbinier-Stunden (umgerechnet 30 Tage rund um die Uhr). Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Testphase wird die Axpo die Anlagen von den Lieferanten übernehmen, was bisher noch bei keiner Maschinengruppe geschehen ist. Lieferant der Rotoren und Turbinen dieses Werks ist die General Electric, die Transformatoren und weitere elektrische Anlagen stammen von der ABB.

Hohe Kosten, unbekannte Entschädigung

Offen ist, wer welchen Anteil der Kosten für diese Verzögerung übernehmen muss. Das hängt vom Inhalt und der Interpretation der Verträge zwischen den Lieferanten und der Axpo ab. Dabei dürfte es um Millionenbeträge gehen. Das illustriert folgende Kalkulation: Der Wert des Pumpspeicher-Werks Linth-Limmern beträgt heute noch 1,56 Milliarden Franken, nachdem die Besitzer die Investition von 2,1 Milliarden mit einer «Wertberichtigung» schon um 540 Millionen Franken abgeschrieben haben. Bei einem Kapitalzins von 3,8 Prozent, wie ihn der Bund für Stromnetze kalkuliert, und einer Amortisationszeit von 50 Jahren belaufen sich allein die Kapitalkosten auf rund 70 Millionen Franken pro Jahr (oder 35 Millionen während der halbjährigen Verzögerung). Dazu kommen fixe Kosten für den Probebetrieb plus Personalkosten.

Allerdings ist fraglich, ob und wie weit die Axpo diese Kosten bei termingerechtem Betriebsbeginn ihres Pumpspeicher-Werks hätte decken können. Denn die – für die Rentabilität massgebende – Differenz zwischen Pump- und Spitzenstrom ist auf dem europäischen Strommarkt zurzeit gering; einzig während der Hochpreisphase im letzten Winterhalbjahr wäre der Betrieb lukrativ gewesen. Im Extremfall könnte es sogar sein, dass der Ertrag der Axpo aus Strafzahlungen von Lieferanten für die verzögerte Inbetriebnahme höher ausfällt als der entgangene Ertrag aus dem Strommarkt.

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