Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO auf den Hund gekommen ist.

Edle Weltregenten

Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO auf den Hund gekommen ist.

Red. Der Frankfurter Chirurg und Publizist Bernd Hontschik ist Mitglied der unbestechlichen Ärztinnen und Ärzte MEZIS.

Ohne Akkus ist unser Alltag nicht mehr denkbar. Für Akkus braucht man Kobalt. Die Hälfte des Kobalts auf dem Weltmarkt kommt aus dem Kongo. Kobalt aus den kongolesischen Minen wird von zehntausenden Kindern für einen Hungerlohn von ein bis zwei Dollar am Tag ohne Schutzkleidung in 24-Stunden-Schichten geschürft. Dieses Kobalt wird von dem chinesischen Konzern Zhejiang Huayou Cobalt verarbeitet, um dann unter anderem auch an Microsoft verkauft zu werden.
Für Akkus braucht man Lithium. Einer der weltweit grössten Lithium-Produzenten ist der chilenische Konzern Soquimich. Der ehemals staatliche Konzern wurde von dem Diktator Pinochet privatisiert. Seitdem besitzt dessen Familie einen grossen Teil des Konzerns. Lithium wird durch einen Verdunstungsprozess gewonnen. Dafür wird der Atacama-See zugrunde gerichtet. Die dort lebenden indigenen Völker haben jetzt kein Wasser mehr. Soquimich verkauft dieses Lithium auch an Microsoft.
Wer Microsoft hört, denkt sogleich an Bill Gates. 2008 zog dieser sich aus dem Tagesgeschäft von Microsoft zurück, um sich gemeinsam mit seiner Frau Melinda in einer Stiftung um die Weltgesundheit zu kümmern. Viele hundert Millionen Euro investierten sie mit ihrer Stiftung inzwischen in die Erforschung neuer Behandlungsmethoden von Aids, Tuberkulose und Malaria. Lokale Gesundheitszentren für Mütter und Babys in Entwicklungsländern liegen Melinda Gates besonders am Herzen. Letztes Jahr ist Bill Gates in Peking mit einem Glas voller Stuhlgang ans Rednerpult einer Gesundheitskonferenz getreten, um von seinem Engagement für die Entwicklung von kanalisationsunabhängigen Toiletten zu berichten.

Schwer belastete Milliarden

Das Ehepaar Gates gehört zu den reichsten Multimilliardären unserer Zeit. Wie viele Menschen, wie viele Kinder für diese Milliarden zugrunde gerichtet wurden, hören sie nicht gerne. Wie viele Regionen der Erde für diese Milliarden vergiftet wurden, biologisch tot sind, erwähnen sie nicht gerne. Da ist es aber doch ein menschenfreundlicher Zug, wenn sie mit ihrer edlen Stiftung einen Teil dieser Milliarden der Welt wieder zurückgeben.

So einfach ist es aber nicht. Da Länder der westlichen Welt sich immer mehr aus der Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation WHO zurückgezogen haben, musste sich diese ein neues Statut über die Zusammenarbeit mit „Nichtregierungsorganisationen“ (NGOs) geben. Die Folge davon ist, dass inzwischen achtzig Prozent des Budgets der WHO von Spenden und von Stiftungen wie der Gates-Stiftung bestritten werden.

Doppelter Profit

Erst wenn man ganz genau hinschaut, kommt das perfide System der neuen WHO zum Vorschein. Woher kommt eigentlich das immer neue viele Geld der Gates-Stiftung? Es kommt aus Anlagevermögen. Die Gates-Stiftung hält Aktien von Coca Cola, PepsiCo, Unilever, Kraft-Heinz und von vielen anderen Alkohol- und Pharmakonzernen. Je besser es diesen Konzernen geht, desto höher sind die Profite, desto mehr Geld hat die Gates-Stiftung.
Würde aber die WHO entsprechend ihrem ursprünglichen Auftrag einen Beitrag zur Weltgesundheit leisten wollen, müsste sie mit Entschiedenheit gegen das aggressive Marketing all dieser Hersteller von Junkfood voller Zucker, Fett und Salz vorgehen. Der ursprüngliche Auftrag der WHO von 1948 lautete, Krankheiten zu definieren, Standards für deren Behandlung zu erarbeiten und weltweit zu verbreiten. Er ist endgültig pervertiert.

Zuerst sorgen die Nahrungsmittelkonzerne dafür, dass sich Übergewicht, Gefässkrankheiten und Diabetes auf der ganzen Welt immer mehr ausbreiten, um anschliessend mit der Pharmaindustrie die Lösungen dafür gewinnbringend zu verkaufen. Die Eroberung der WHO durch Konzerne und Stiftungen ermöglicht ihnen also doppelten Profit, zuerst bei der Verursachung von Krankheiten und dann an deren Behandlung.
Dieser Artikel erschien am 26.1.2019 in der Frankfurter Rundschau

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