Plastik-Overkill im Selbstversuch

Wer ständig Plastikverpacktes isst, belastet seinen Körper. Wie sehr, macht eine RTL-Reportage deutlich.

Der RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff hat vier Wochen lang gezielt nur Lebensmittel zu sich genommen, die in Plastik verpackt waren. Begleitet wurde sein Versuch von einem Labor, das Mikroplastik und Weichmacher in Blut und Urin analysiert.

Von Wilmsdorff, im RTL-Versuch kurz: «Jenke», ist bekannt für riskante Selbstversuche. Plastikfrei ist sein Körper schon vorher nicht. In seinem Urin finden sich beispielsweise sieben Weichmacher. «Das ist ganz normal», sagt der Biochemiker und Laborchef des IGL-Labors in Wittbeck, Stefan Moellhausen. Ein gewisses «toxisches Grundrauschen» finde sich bei jedem. «Toxisch, das heisst doch giftig?», fragt der Reporter perplex.

Richtig, gesund ist das nicht. Plastik und die darin enthaltenen Weichmacher können unter anderem die Schilddrüse, das Körpergewicht und den Hormonhaushalt beeinflussen, sie können Diabetes auslösen und Krebs verursachen. Moellhausen erwartet, dass von Wilmsdorffs Werte während des Versuchs nach oben gehen und möglicherweise auch Grenzwerte überschreiten.

Besonders viel Weichmacher in fettigen Nahrungsmitteln

Zur Vorbereitung auf seinen Selbstversuch geht von Wilmsdorff zunächst einkaufen. In seinen Einkaufskorb wandern ausschliesslich Konserven und Produkte, die in möglichst viel Plastik verpackt sind. Als «Einkaufsberater» nimmt er den Biologen und Plastikspezialisten Andreas Giers mit. Besonders viel Weichmacher nehmen Produkte auf, die viel Fett enthalten, erklärt dieser. Dazu gehören etwa Kokosmilch in Dosen, in Plastik verpackter Käse und Aufschnitt sowie Fertiggerichte, die in der Verpackung erwärmt werden. Dazu kommen Lebensmittel, die viel Mikroplastik enthalten, wie etwa Muscheln, und solche, deren Plastikverpackung im Vergleich zum Inhalt sehr gross ist, wie zum Beispiel Frucht-Quetschies.

Von Wilmsdorff isst vorerst nur noch Plastikverpacktes, vom Müsli bis zur Pizza. Er trinkt To-Go-Kaffee aus Einwegbechern und kaut stundenlang Kaugummi. Die Wasserflaschen, aus denen er trinkt, stellt er vorher direkt in die Sonne, damit das Wasser besonders viel Weichmacher aufnimmt.

Kopfschmerzen nach nur vier Tagen

Nach vier Tagen sagt er, er habe Kopfschmerzen, immer abends. Er fragt sich, ob das Einbildung ist. Wenn man sich den ganzen Tag mit Plastik und seinen möglichen Auswirkungen befasst, ist das schliesslich nicht ganz abwegig.

Trotzdem setzt er noch einen drauf und schmiert sich Plastik direkt auf die Haut. Wieder geht es in den Supermarkt, wieder in Begleitung von Giers. Nicht nur Produkte wie Duschgels mit Peelingeffekt oder Sonnencreme enthalten Plastik, erklärt dieser. Es finde sich in fast allen Kosmetikprodukten, bis hin zum Eau de Toilette. «Alkohol, Wärme und Zeit», summiert der Biologe, begünstigten den Übergang ins Produkt. Die Rolle von Fett hat er schon bei den Lebensmitteln erklärt. «Frauen haben höhere Plastikwerte», weiss der Biologe. Vermutlich, weil sie mehr dekorative Kosmetik verwenden.

Überall Plastik

Die vierteilige Serie, die hier abzurufen ist, beleuchtet noch andere Aspekte des Plastikproblems. Von Willmsdorff fischt in der Nordsee nach Mikroplastik, reist auf die Malediven und spürt deutschem Müll in Malaysia nach. Einige Mütter sind fassungslos, als sie erfahren, dass bei allen ihren Kleinkindern Weichmacher und Plastik im Urin gefunden wurden – auch Stoffe, die längst verboten sind, sich aber noch immer im Haushalt finden. Eine Familie im Schwarzwald zeigt, wie sie versucht, plastikfrei zu leben.

An Tag 14, mittlerweile im dritten Teil der vierteiligen Serie angekommen, sagt von Wilmsdorff, er fühle sich schlapp. «Irgendwie habe ich keine Vitamine mehr im Körper», drückt er es aus. Inzwischen sieht er überall Plastik. Die Menge der Giftstoffe in seinem Urin hat sich auf das zehnfache erhöht. Dabei hat er nicht viel mehr getan, als sich zwar ungesund aber einigermassen normal zu ernähren.

«Total krass»: hundertfach erhöhte Laborwerte

«Man sieht es dir auch an», sagt der Kameramann. Nicht ohne Grund, stellt sich bei der Endanalyse heraus. Die Menge eines Phthalates in von Wilmsdorfs Urin ist laut Laboranalyse um das 200-fache erhöht. Noch schlimmer sind die Blutwerte, die um das 400-fache erhöht sind. «So viel Plastik im Körper ist nicht gesund», stellt Stefan Moellhausen fest.

In von Wilmsdorffs Blut findet sich zudem Vieles, was vor seinem Selbstversuch nicht da war, Aluminium zum Beispiel. «Alter, das ist total krass», findet der Reporter schockiert. Wie viel dabei seine Plastik-Diät ausmacht, zeigt sich an den Laborproben der plastikfreien Familie im Schwarzwald. In diesen findet sich so wenig Plastik und Weichmacher, dass selbst Laborchef Moellhausen erstaunt ist.

Zum Infosperber-Dossier:

Schadstoffe in Lebensmitteln

Essen und trinken können krank machen, wenn Nahrungsmittel zu stark belastet sind.

Eine Meinung zu

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    am 9.Okt.2019 um 3:31 pm
    Permalink

    In ähnliche Richtung geht

    https://www.br.de/nachrichten/bayern/billigkleidung-wenn-mode-als-plastikmuell-endet,RcFF4V4

    "In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Textilproduktion weltweit verdoppelt. Die Tragedauer von Kleidung hingegen hat sich deutlich verkürzt. In Deutschland landen jährlich über eine Million Tonnen Altkleider im Container, und es werden jedes Jahr mehr. Gute Aussichten für Altkleidersammler – könnte man meinen. Die Realität sieht jedoch anders aus.

    Abnehmende Qualität und immer mehr Billigware machen den Kleidersammlern das Leben schwer. Das Problem hat einen Namen: Fast Fashion. 24 Kollektionen und mehr produzieren manche Labels pro Jahr – Kleidung, die irgendwann bei den Altkleidersammlern landet. Für die bedeutet das: immer mehr Ware muss eingesammelt, gesichtet und gelagert werden.

    Was noch gut genug in Schuss ist, wird weitergegeben. Doch ein Großteil der Kleidungsstücke ist dafür nicht mehr geeignet, weil ihre Qualität zu schlecht ist, sie Risse oder Löcher haben. Dann müssen Altkleidersammler sehen, was noch anderweitig verwendbar ist. «

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