Seit Anbeginn von SRF 3 gibt es das Radiomagazin Input. Und seit 1999 eine einstündige Sendung am Sonntagabend. Eine Würdigung.

kontertext: Chapeau für die Sendung «Input»!

Seit Anbeginn von SRF 3 gibt es das Radiomagazin Input. Und seit 1999 eine einstündige Sendung am Sonntagabend. Eine Würdigung.

Man könnte sie als Sandwich-Generation beschreiben – jene, die zur Zeit zwischen 25 und 50 Jahre alt sind. Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehören sie definitiv zum alten Eisen, für die über Fünfzigjährigen sind sie noch immer jung. Es sind Menschen, die mitten im Alltag stehen, beruflich angekommen und meistens in einer festen Partnerschaft, oft auch schon Eltern sind.
Am Sonntagabend sitzen sie entspannt zu Hause und hören neuerdings wieder gerne Radio – nicht selten die Sendung Input auf SRF 3.
Doch es ist nicht den äussern Umständen geschuldet, dass sich diese Sendung grosser Beliebtheit erfreut. Viel eher ist es der Alltagsbezug der Themen. Da werden zum Beispiel Probleme in der Arbeitswelt aufgegriffen, aber auch Beziehungen zwischen den Menschen reflektiert. Modeerscheinungen haben hier ebenso ihren Platz, wie Ausgefallenes.
Ein Rückblick auf die Sendungen des vergangenen Jahres mag das erhellen. Da war zum Beispiel die herausragende Sendung zum Thema Lohn, unter dem Titel «Und was verdienst du so?» Eine Strassenumfrage zeigte Erstaunliches. Wider alle Behauptungen sind die Menschen in der Schweiz gar nicht so verschlossen, wenn es um die Offenbarung ihres Einkommens geht. Viele erteilten spontan Auskunft. Und das Ergebnis irritierte, weil die geouteten Monatslöhne in vielen Fällen äusserst bescheiden waren – ganz unabhängig vom Berufsfeld. Natürlich ist eine Strassenumfrage keine repräsentative Erhebung; trotzdem liesse sich darüber rätseln, weshalb die statistischen Medianlöhne viel höher sind und eine heile Welt suggerieren, die in der Wirklichkeit nicht existiert. Das kommentierte die Sendung allerdings nicht, sondern sie überliess die Schlussfolgerungen den Hörerinnen und Hörern.

Eine Palette informativer Sendungen

«Saisonal essen und auf Bali fliegen», war der provokative Titel einer andern Sendung über unser allgemein zwiespältiges Verhalten, wenn es um Umweltbekenntnis und gelebtes Konsumverhalten geht. Die Sendung hielt diese Doppelmoral fest, der wir alle unterliegen, ohne jedoch den Moralfinger zu erheben; vielmehr ging es um eine kritische Auseinandersetzung, die viele mit sich selbst führen.
Eine weitere Sendung widmete sich einem Problem, von dem nur wenige betroffen sind: Die Kinder, die ihre Väter nicht kennen und von ihnen verleugnet werden. Die eindrücklichen und hautnah gestalteten Porträts waren jedoch auch für völlig Unbeteiligte sehr eindrücklich und gingen unter die Haut.
Und nur anscheinend abwegig war die Sendung über die Klitoris – ein verheimlichtes, verteufeltes Organ der weiblichen Lust. Das hätte in der Tat peinlich werden können. Die grosse Sorgfalt der RadiomacherInnen, die selbstverständliche Offenheit einer interviewten Frauenärztin und nicht zuletzt die vielen Informationen zur Geschichte dieser Tabuisierung führten zu einer neuen Sichtweise.
«Heil dich doch selbst!» hiess der Titel einer weiteren Sendung, die sich mit altbekannten Hausmittelchen gegen Krankheiten befasste, die eine Alternative gegen den allzu raschen Griff nach chemischen Medikamenten sein könnte. Zentral ging es um die Frage, wie die Selbstheilungskräfte in den Menschen aktiviert werden und wie weit man darauf vertrauen kann. Selbstredend führte das zu kontroversen Diskussionen, unter anderem von Ärzten und Pflegepersonal, was die Sendung aussergewöhnlich spannend und informativ machte.
Hautnah an die Alltagsrealität ging eine Sendung kurz vor Weihnachten. Sie setzte sich mit dem Streit in der Familie auseinander, der vor allem über die Festtage Hochkonjunktur hat. Sie konfrontierte die Hörerinnen und Hörer mit den zwar bekannten und doch immer wieder verdrängten Mustern, die uns zum Ausrasten bringen können. Aber sie erklärte auch, weshalb wir vor allem mit jenen streiten, die wir am meisten lieben. Eine wahrhaft tröstliche Erkenntnis zu Weihnachten!

Eine Erfolgsgeschichte

Input ist eine Erfindung von SRF 3 – quasi ein altes Flaggschiff. Zuerst gab es unter diesem Namen kurze tägliche Sendungen von nur 15 Minuten. Der Sender DRS 3 wurde 1983 gegründet; er war damals vor allem auf das ganz junge Publikum zugeschnitten, Input war folgerichtig ein kurzes Wortprogramm mit Informationen und Neuigkeiten. Später wurde das tägliche Kurzprogramm von einer wöchentlichen, jedoch zweistündigen Sendung mit Musik abgelöst. Doch Anfang der Neunzigerjahre sanken die HörerInnenzahlen dramatisch. Die einst jugendlichen DRS3-HörerInnen waren älter geworden, kritischer auch, und viele wanderten ab. Damit einher ging eine Krise des ganzen dritten Programms; es gab Stimmen, die DRS 3 gar schliessen wollten. Glücklicherweise hat ein neues Konzept dem dritten Programm wieder Auftrieb gegeben. Und nicht zuletzt hat die Einführung von Virus, dem eigentlichen Programm für ein ganz junges und musikbegeistertes Publikum, die Lage entspannt.
1999 begann das neue Konzept zu greifen; in diesem Zusammenhang wurde auch Input reorganisiert. Es erscheint seitdem als einstündige Wortsendung am Sonntagabend, wenn nicht ein grosser Sportanlass die Sendezeit beansprucht oder eine Sammelaktion, wie etwa «jeder Rappen zählt». Input hat seither eine treue Hörerschaft und steigende HörerInnen-Zahlen. Das eigentliche Erfolgsrezept des Sendegfässes ist jedoch seine Nähe zum Alltag der jüngeren aktiven Generation, die gescheite, sorgfältige Auswahl und Bearbeitung der Themen. Die Sendung bietet nicht nur Lebenshilfe, sondern auch Information und Vergnügen. Und so ist es an der Zeit, nicht nur Kritik zu üben, sondern für einmal auch eine kontinuierliche gute Radioarbeit zu würdigen.

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Eine Meinung zu

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    am 23.Dez.2017 um 9:30 pm
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    Input auf SRF3: Tatsächlich ein Grund, den Sender zu hören. Die sich zwanghaft ausdehnende Comedy hingegen ist einer, sich rasch und gründlich zu verabschieden. Peter Schneiders Presseschau war (und ist) feine Satire. Der Freitagmorgen hingegen (Unteregger ist lustig, aber nicht in dieser sich wiederholenden Überdosis) kaum auszuhalten, UnterBüsser oder de Weck/Hartmann definitiv zum davonlaufen. Seit ca. zwei Jahren hat man das Gefühl, es müsse um jeden Preis lustig sein. Ich weiss nur nicht warum. Seit Mona Vetsch weg ist und Büsser sein Debüt gab (krank, verspätet – oh, war das peinlich) gehts meiner Meinung nach wieder bergab mit SRF3. Mut zu mehr Stille täte dem Sender gut.

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