Reden – nicht Brüllen. Die Debatte hat begonnen.

Die Debatte über die Qualität der öffentlichen Medien-Kommunikation ist dringend. Die «Sternstunde» hat auf SRF eine Marke gesetzt.

Wir leben in der Medienschweiz in einer entscheidenden Phase des digitalen Umbruchs. Der Service public der SRG muss neben dem hergebrachten Programm den Umbau für die digitalen Herausforderungen bewältigen und dabei auf die privaten Medienhäuser Rücksicht nehmen. Das ist eine vielfache Herausforderung. Es bedeutet heute die Erfüllung des Auftrags als ständige Krisenbewältigung. Und die privaten Medienhäuser müssen auf die SRG keine Rücksicht nehmen. Aber sie müssen sich voll kommerziell der globalen, digitalen, multimedialen Herausforderung stellen. Und sie tun das knallhart.

Zwischen Auftrag und Kommerz

So lanciert «20 Minuten» ein neues Ressort: «One Love» mit Themen rund um Liebe, Sex und Dating (Klein-Report). Ringiers «Blick TV» ist gestartet, mit Bewegt-Bild-Kurzfutter vom Boulevard. Kurt W. Zimmermann erkennt darin «eine Kampfansage an ‹20Minuten›», und er sagt: «Der Wettbewerb der zwei führenden Onlineanbieter verlagert sich in die bewegten Bilder.» Die bewegten Bilder sind der «content», der die Werbung zu den User*innen trägt. Gezielt, individualisiert. «20 Minuten» kann das. Ringier kann das jetzt in voller Eigenregie, nachdem das Medienhaus von der Swisscom sämtliche Anteile von «Admeira» gekauft hat. Gestärkt durch die Kapitalzufuhr aus der Versicherungsholding «Mobiliar».

Die SRG darf gezielte Werbung nicht. Und sie hat ihre starke Tochter «publisuisse» – die führende Vermarkterin elektronischer Medien in der Schweiz – schon 2016 in das Vermarktungsprojekt «Admeira» eingebracht. Dort, also bei Ringier, ist sie jetzt Kunde. Mit einem Vertreter im Verwaltungsrat. Man darf davon ausgehen, dass das BAKOM und Frau Sommaruga über diese Vorgänge vorab unterrichtet wurden. Was heisst das für die künftige Fernsehwerbung?

Die Kommerzialisierung der Medienszene Schweiz unter dem Gesetz der kapitalistischen Digitalisierung ist in vollem Gang, und die Verflechtung von Medienhäusern mit kapitalstarken Wirtschaftsunternehmen wird transparent. Die SRG versucht noch einmal, durch «coopetition» – Kooperation + Kompetition – ihre kommerziellen Einnahmen zu retten. Nachdem sie sich dadurch in Abhängigkeit von Privaten begeben hat. Dabei stehen wir vor dem vielleicht zweitletzten «window of opportunity», dem vielleicht zweitletzten Fenster zur Erhaltung von Qualitäts-Journalismus. Wenn nicht auch bei der SRG der «Content» in erster Linie zum Transportmittel von Werbung wird.

Die Sternstunde

Die SRG firmiert heute noch als Unternehmen des Service public. Noch läuft am Sonntagmorgen, wenn manche Menschen in die Kirche gehen oder zum Frühschoppen, die «Sternstunde Philosophie» in einer Reihe mit der «Sternstunde Religion» und der «Sternstunde Kunst». Die «Sternstunden» konnten – ganz unbemerkt – im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Als Randerscheinung sozusagen. Auch wenn sie eine ganz wesentliche Aufgabe wahrnehmen für den Auftrag und die Wahrnehmung, die Akzeptanz der SRG.

Mehr noch: Ein tschechoslowakischer Emigrant hat mir nach der Unterdrückung des «Sozialismus mit menschlichem Antlitz» durch die sowjetischen Panzer in Prag (im August 1968) gesagt: «Wenn die öffentliche, demokratische Diskussion nicht mehr gelingt, wenn sie ihren Beitrag zur politischen Debatte nicht mehr wirklich leistet, dann übernimmt die Kultur die politische Aufklärung.»

Gar so schlimm ist es nicht im Service public der SRG. Aber man kann feststellen, dass die «Sternstunde Philosophie» in ihrer sonntäglichen Randzeit Fragen stellt, die eigentlich in den Hauptabend eines Service public gehören. Es muss ja nicht immer gleich «was die Macht mit uns macht» sein (mit Martin Saar) , aber schon: «Wie geht Demokratie?» (in Anlehnung an Jürgen Habermas) oder sogar «Die Suche nach der perfekten Gemeinschaft» (mit Charles Taylor). Die Frage «Schafft sich die Menschheit bald ab?» (mit Grame Maxton, Club of Rome), beschäftigt uns sowieso alle oder zumindest viele von uns, und vielleicht auch: Wie weit ist ziviler Widerstand erlaubt, vielleicht sogar geboten, wie im Einsatz von «Extinction Rebellion» gegen den Klimawandel. Und manches treibt uns um, wie die «Künstliche Intelligenz» (mit Ranga Yogeshwar), das «genetisch modifizierte Baby» oder «Digitalisierung verstehen!» (Armin Nassehi) ? Sicher ist: «Wir müssen reden» (Laura de Weck und Romy Jaster), auch und gerade mit Andersdenkenden, und zwar «Reden – nicht brüllen.»

Substanz am Rand des Programms

Alle diese Themen fristen eine Randexistenz am Sonntagmorgen oder in der Wiederholung zu einer meistens ganz unchristlichen Zeit, dabei sind diese Gespräche manchmal nicht nur dem Namen nach, sondern auch in ihrer Verwirklichung echte Sternstunden, wie das Letzte, am 17. Februar 2020, mit Bernhard Pörksen und Kübra Gümüsay und der Moderation von Barbara Bleisch. Es war ein Meisterstück im Zusammenwirken der Drei.

Kübra Gümüsay habe ich nun also kennengelernt bei dieser Gelegenheit, vor dem Bildschirm. Man kann sie eine muslimische Feministin nennen, sie bezeichnet sich selber als «intellektuelle Putzfrau», die während Jahren hinter den Hassern her wischte, den Rassisten, Sexisten, bis an den Rand der Erschöpfung, bis sie zurückgefunden hat zu sich selber, zu ihren eigenen Ideen, zum konstruktiven Gespräch, zur «organized love» und zu einem neuen Verständnis der Beziehung zwischen «Sprache und Sein». So der Titel ihres jüngsten Buchs.

Der Medienforscher Bernhard Pörksen ist spätestens seit seinem Buch über «Die grosse Gereiztheit»
allen bekannt, die sich kritisch mit den Folgen der Digitalisierung für die Kommunikationsgesellschaft auseinandersetzen, und mit den Gesetzen, die in der Architektur der «sozialen Medien» im «postfaktischen Zeitalter» gelten. Er setzt dagegen den Entwurf einer «redaktionellen Gesellschaft», in der die ethischen und handwerklichen Regeln des Journalismus nicht mehr nur für die professionellen Medienschaffenden gelten, sondern für alle, die sich öffentlich äussern. Und das kann unter den Bedingungen der digitalen Informationstechnologie heute Jede und Jeder sein.

In seinem neuen Buch kehrt er zusammen mit dem Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun zu einer Grundform der Kommunikation zurück: «Die Kunst des Miteinander Redens». Die Autoren finden, diese Kunst könnte «zu einer Schule der Demokratie und des guten Miteinander-Lebens werden». Über dieses Buch und über das andere von Kübra Gümüsay («Sprache und Sein») wollten sie gemeinsam reden.

Das garantierte Scheitern

Die «Sternstunde Philosophie» eröffnen Pörksen und Gümüsay aber im Verein mit Bleisch mit einer präzisen, pointierten Kritik an den üblichen Talkrunden des Fernsehens, die mit destruktiven Thesen das Thema setzen, zu dem die Studiogäste brav ihre Rollen spielen: die muslimische Frau mit Kopftuch, der »Ostdeutsche» oder «der melancholische Medientheoretiker, der gelegentlich ein paar schwer verständliche Sätze spricht» (die die Moderatorin dann erklärt), kurz: Es ist «scripted reality», die Rollen sind fixiert, die Gegensätze festgelegt, und die Frage stellt sich, warum man eigentlich miteinander spricht.

Und bei allem gilt, privat oder politisch «die Polarisierungsformel: «Ich bin das Ideal… Du bist der Skandal» (Pörksen).

Die Formel gilt für die etablierten, «alten» Massenmedien, sie gilt für die privaten Konflikte, und sie gilt für die «sozialen Medien», denen sich die Runde für eine Weile zuwendet. Sie konstatiert eine enorme Dominanz von den Rändern her, von denen sich die Pöbler lautstark melden: «Fünf Prozent der Kommentierenden sind für fünfzig Prozent aller Hasskommentare verantwortlich, konstatieren Studien» (Gümüsay), und wir belohnen das falsche Verhalten von Menschen, die so tun, als hätten sie für alles eine klare Antwort. Wir schenken ihnen Aufmerksamkeit, und diese zunehmende Aufmerksamkeit wird von Vielen gleichgesetzt mit Relevanz.

So kann der AfD-Vize Alexander Gauland über den schwarzen deutschen Nationalspieler Jerome Boateng sagen, die Leute fänden ihn zwar als Fussballer gut. «Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.» Und das führt dann dazu, so Kübra Gümüsay, dass in den etablierten Medien reihum Talkrunden stattfinden zur Frage, ob denn «ein Boateng» als Nachbar erwünscht wäre.

Sicher ist, dass Alexander Gauland als Studiogast in der «Arena» des Schweizer Fernsehens erwünscht war. So wird Dummheit und völkisches Denken für relevant erklärt, und entscheidende Grenzlinien werden nicht gezogen, die besagen, dass Menschenfeindlichkeit das Ende des Gesprächs bedeutet, und dass man mit Brüllern im öffentlichen Fernsehen nicht diskutiert und mit Rassisten und Faschisten schon gar nicht. Gümüsay: «Wir können miteinander streiten bis zu dem Punkt, an dem mir meine Menschlichkeit abgesprochen wird. Das ist eine unzulässige Grenzüberschreitung.»

Wahrheit aus der Vielfalt

Die «Sternstunde» über «Reden – nicht brüllen» war das genaue Gegenteil: Sie war Offenheit gegenüber den Gesprächspartner*innen. Ausdruck jener gegenseitigen Wertschätzung, ohne die ein gutes Gespräch nicht gelingen kann. Auf der Grundlage der Wertschätzung hingegen kann das Gespräch zu einer höchst erfreulichen Zusammenarbeit für gemeinsame Erkenntnis werden. «Ein Dialog ist ein Tanz des Denkens, ohne Bevormundung», sagte Pörksen. Er ist auch eine «ästhetische Verführung» und ein intellektueller Genuss für die Beteiligten vor der Kamera und vor den Bildschirmen.

Das bedeutet auch Wertschätzung der unterschiedlichen Blickwinkel der beteiligten Menschen, die aus den verschiedenen Perspektiven unterschiedliche Elemente der Wirklichkeit ins Bewusstsein heben, und damit die realitätsgerechten Aussagen über den Gesprächsgegenstand erst möglich machen. Man nennt das Wahrheit. Vielfalt der Blickwinkel heisst also nicht einfach gegensätzliche Positionen, sondern Bereicherung der Wahrnehmung der Dinge, die wir von ihren verschiedenen Seiten betrachten oder in ihren unterschiedlichen Zuständen. Und es bedeutet nicht zuletzt, zu entscheiden, welche Fragen wichtig sind, relevant für die Beurteilung eines Vorgangs oder für eine politische Entscheidung. Oder für die Wahrheitsfindung.

Denn, es stimmt zwar, wie Gümüsay sagt: «Wenn ein Mensch glaubt, seine Perspektive sei die einzig richtige, dann ist es ein Mangel an Demut.» und trotzdem müssen wir, wenn wir in der Welt bestehen wollen, «um das, was wir Wahrheit nennen, immer neu ringen, neu streiten» (Pörksen). Denn, so Bleisch: «Es gibt auch blanke Lügen.»

Und, so Pörksen, es gibt auch einen Pseudo-Zweifel, auf den wir uns nicht einlassen dürfen. «Wir können uns nicht bei der Industrie der Klimaleugner unterhaken», und «Trumps Wahrheitszweifel ist nichts als ein Instrument der Macht.» Er, der Präsident, sagt, was wahr ist und was falsch. Und dem müssen wir uns mit einer klaren Haltung entgegenstellen: «Wir brauchen so etwas wie Tatsachen-Wahrheit und den Streit darüber.» Und das immer mit einer Grundhaltung von Demut und Empathie, in der sich die kritische Selbstwahrnehmung verbindet mit Offenheit für die Lage und die Lebensbedingungen der anderen, die an diesem Gespräch teilnehmen.

Kritik des Journalismus

Diese Werthaltung verdichtet sich so im Dreigespräch zwischen der Moderatorin Barbara Bleisch, der Journalistin und Aktivistin Kübra Gümüsay und dem Medienprofessor Bernhard Pörksen, dass die ursprüngliche Absicht sich verliert, über die neuen Bücher der beiden Gäste zu sprechen und sich Pörksens Grundfrage ins Zentrum schiebt: «Wie kann unter den neuen Medienbedingungen eine neue Aufklärung gelingen?»

Seine Antwort ist «eine brutale Schlussfolgerung: Wir brauchen einen anderen Journalismus!»

«Der Journalismus ist von einem entsetzlichen Negativismus. Er hat ein Anreizsystem in Richtung des Abgrunds und des Katastrophischen. Der Journalismus ist fasziniert von dem Gedanken, dass er seine Unabhängigkeit zeigt über die Skandalisierung von Minifehlern. Der Journalismus ist fasziniert von der Idee, dass Alles und Jedes, was irgendwie einen Hauch von Wut und Empörung verspricht, ein relevantes Thema sein muss.»

«Ich meine das ganz ernsthaft. Ich denke im Augenblick intensiv darüber nach: Brauchen wir nicht in einer Zeit, in der es Menschheitsherausforderungen wie den Klimawandel gibt, ein völlig anderes Relevanzkonzept des gegenwärtigen Journalismus?»

«Also, wenn wir hier jetzt schon miteinander denken und sagen: wir gehen jetzt ins Offene – das hat nichts mit den Büchern zu tun –, dann würde ich sagen, das ist eigentlich das Thema: Kann der Journalismus sich so ändern, kann er die ganzen blödsinnigen Frames abstreifen und endlich seriöse Relevanzkonzepte verfolgen: Ja oder Nein?»

«Das ist für mich die Schlüsselfrage, weil: er bestimmt den öffentlichen Raum.»

Das war eindrückliche professorale Verdichtung, der man im Rückblick auf den Wahlkampf-Journalismus und manch Anderes durchaus zustimmen mochte – über weite Strecken Machtkampf- statt Themen-Journalismus, Schlagabtausch statt Erkenntnisförderung. Aber Barbara Bleisch widerspricht mit dem Hinweis, dass auch noch andere Akteure im Spiel sind, wie zum Beispiel «die Rezipienten, die (…) weitertreiben, und (…) die sozialen Medien…und».

Und Pörksen:«… Sie haben Recht, das ist ein ungerechtfertigtes Pauschalurteil, das ich sofort angreifen würde, wenn ich es nicht selber geäussert hätte…» Ùnd lacht.
Engagement und Humor und Ernsthaftigkeit in einem Zug, die alle verwurzelt waren in dem einen Satz, den Pörksen in seinem Statement gesetzt hatte: «Wenn wir jetzt schon miteinander denken…»

Ein Fernsehgespräch als Versuch, gemeinsam Erkenntnisse zu gewinnen… –
Und das nach der Einstiegskritik an den üblichen Talkrunden des Fernsehens und kurz nach einer fundamentalen Kritik von Kübra Gümüsay: «Es fehlen die Räume des öffentlichen Denkens, es gibt einen Mangel des Zweifelns, des Zögerns, des Nachdenkens, des Innehaltens… mit einer Vorbildfunktion für die Gesellschaft.»

Selbstzerstörung des Service public

Diese «Sternstunde Philosophie» hatte das alles. Aus einer Befragung wurde ein Gespräch, aus einer moderierten Sendung wurde eine klug strukturierte Dreierrunde mit verbalen Beziehungsspielen – «ich ziehe jetzt auch eine Zwischenbilanz» –, aus korrigierten Fehlern wurden Schlussfolgerungen gezogen, aus einer Serie von Statements wurde dialektische Zusammenarbeit – «ja, aber auch..» –, und aus dieser Zusammenarbeit wurde gesammelter Erkenntnisgewinn für die Beteiligten und ihr Publikum.

Aber was fehlt für die «Sternstunde Philosophie», ist der geeignete öffentliche Raum. Dieses Gespräch war nicht nur prominent und spannend besetzt. Es war über weite Strecken ein immer noch zunehmender Genuss, und es löste ein, was die Mitspieler*innen selber von einem lebendigen, erkenntnisorientierten Gespräch verlangten.

Dieses Gespräch erreichte gerade mal 12’000 Zuschauer*innen. Das war ein Marktanteil von 2,7 Prozent. Parallel lief auf SRF 2 Ski alpin: Slalom Frauen, 1. Lauf, mit 268’000 Zuschauer*innen und einem Marktanteil von 50,3 Prozent, und dann noch Skifliegen mit 95’000 Zuschauer*innen und einem Marktanteil von 21, 7 Prozent.

Und im ganzen Jahr 2019 erreichte die «Sternstunde Philosophie» unter solchen wiederkehrenden Bedingungen im Durchschnitt 22’000 Zuschauer*innen, entsprechend einem Marktanteil von 5,9 Prozent. Der Service public bringt sich mit dieser Programmierung und diesen Zahlen selber um, seit Langem schon.

Selbstverständlich kann dieser symbolisch wertvolle Sonntagmorgen bleiben. Aber es müsste einen zweiten Termin geben, am frühen Hauptabend auf SRF 2 – nicht wieder gegen den Sport! – der auf dem Sender prominent beworben wird, um so die 15 bis 20 Prozent der interessierten Menschen in der Schweiz vertraut zu machen mit diesem durchwegs substantiellen und attraktiven Angebot im Kern des Service public.

Alles andere ist Kernschmelze.

Zum Infosperber-Dossier:

Medien: Service public oder Kommerz

Argumente zur Rolle und zur Aufgabe der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG.

5 Meinungen

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    am 23.Feb.2020 um 12:36 pm
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    @Thomas Gabathuler, @ Carlos Werner Schenkel, @ Markus Schneider: Erstens Dank für das Interesse an dem «long read». Das freut mich doch. Dann: nicht «entweder – oder» ist mein Ansatz, eher: sowohl, als auch. Das lineare Programm-Fernsehen wird nicht sterben, solange es live-Berichte aus Politik, Sport und hoffentlich auch Kultur-Debatte gibt. Ich nehme all das wahr. Aber eine Programmplanung, die mit dem einen (Sport) das andere (Philosophie) abschiesst, ist verfehlt. Richtig war deshalb die Verlegung der «Rundschau» auf 20 Uhr, sprich: weg vom Beschuss durch die Champions League (die ich immer mal gerne sehe). Und: Der lineare Programmfluss ist ein Angebotsmarkt, die Plattform (srf.ch u.a.) ein Nachfragemarkt. Sprich: Das lineare Programm kann wie ein Trailer wirken und, wenn gut gemacht, neue Interesse wecken oder alte re-aktivieren. Und: die Hunderttausender-Stars auf YouTube sind die Cracks, die ihre Popularität nicht in der «Sternstunde» erarbeitet haben: Harari, Precht, und dann mit Abstand schon, Chomsky, Willemsen und andere. Ein paar Wenige jedes Jahr. Auch gut. Aber es gilt: sowohl als auch, Fliessprogramm UND Plattform – und ohne selbstzerstörerische Konkurrenz. – Danke nochmals, R.

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    am 22.Feb.2020 um 4:59 pm
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    Gut geschrieben, auf Augenhöhe mit der besprochenen Sendung. Als sehr regelmässiger Konsument der Sternstunden – aber nie zur programmierten Zeit, bisweilen schon am Tag davor – kümmert mich eigentlich der «Marktanteil» dieser Sendung wenig, denn ein meritorisches Gut sollte nicht daran gemessen werden. Ich würde aber auf die Barrikaden steigen, falls diese Sendung aus welchen Gründen auch immer dereinst aus dem Programm gekippt werden sollte.

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    am 22.Feb.2020 um 2:29 pm
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    Diese SRF-Sendung habe ich leider nicht gesehen. Es scheint eine sinnstiftende Diskussion daraus entstanden zu sein. Wenn aber der Hintergrund meines Wissens schon nur aus Mainstream-Medien zu bestehen könnte, so wird mit Wahrheit nicht das gemeint, was in der Wirklichkeit geschieht, sondern nur das, was in den Medien abgebildet wird. Wahrheit kann ev. nur noch regional selber überprüft werden und auch da schon sind wir vielen Verzerrungen ausgesetzt. Bei den sozialen Medien sind wir auch darauf angewiesen, irgendwann auf persönlich Verifiziertes zurückgreifen zu können, um Sicherheit bzgl Wahrheit zu bekommen. Diese Diskrepanz nützt der Journalismus, die Politik und die Lobbyistengilde gnadenlos aus. Im liebsten würde ich eine Initiative starten, die ungefähr lauten müsste: Jeder Volksentscheid, der aufgrund von Fehlinformationen durch die Behörden oder Medienkonzerne zustande gekommen ist, ist ungültig zu erklären und muss nach echter Aufklärung wiederholt werden. Wer startet diese Initiative? Vielleicht Aussenseiter-Politiker oder Private? Jedenfalls auf der Strasse würden genug Unterschriften zusammenkommen, weil soviele genug davon haben, wie sie dauernd veräppelt über den Tisch gezogen werden und langfristig den Kürzeren ziehen – zB. auch finazielle Unsicherheiten Armutsgefühle erleben müssen.

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    am 22.Feb.2020 um 1:43 pm
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    Einmal mehr: Hoffnung stirbt zuletzt! «Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort, dort treffen wir uns» (Kübra Gümüsay). Aber wer trifft sich dort? Die Analphabeten, die per Mausklick via Social Media dorthin aufgeboten werden können? Wer bietet sie auf und wer empfängt sie dort, mit welchen Interessen? Zum «Tanz des Denkens» um richtig und falsch? Moderation Donald Trump, nicht Barbara Bleisch, hélas!

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    am 22.Feb.2020 um 1:32 pm
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    Schade, dass dieser gelungene Artikel zum Ende ins Jammern um den Tod des linearen Fernsehens verfällt. Dies hat dieser Artikel nicht verdient.
    Ein kurzer Blick in die Zahlen von YouTube und SRF Online zeigen, dass diese Sendung auf beiden Plattformen je über 10’000 Mal geschaut wurde.
    Die erfolgreichsten Sendungen von «Sternstunde Philosophie» wurden über 900’000 Mal auf YouTube geschaut.
    Die Zukunft guter Sendungen ist im Internet und erreicht den User zu der Zeit, die für ihn persönlich passt. Die gleiche Sendungen zu einer «attraktiveren» Zeit im linearen Fernsehen zu wiederholen, dürfte der Holzweg sein.
    Nehmen sie dich ein paar der positiven Seiten der neuen Medien an. Sie werden die Rettung von gutem und relevantem Content sein. Die SRG bräuchte sich nur ein bisschen weniger dagegen zu wehren.

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