Es überrascht zuweilen, welche Informationen die Hauptausgabe der SRF-Tagesschau für besonders relevant hält. Ein Beispiel.

Tagesschau: Ärzte-Klagen und Skiort-Umsätze statt Wahlresultate

Es überrascht zuweilen, welche Informationen die Hauptausgabe der SRF-Tagesschau für besonders relevant hält. Ein Beispiel.

upg. Das Wahlresultat in Costa Rica war von grösserem Interesse: Der evangelisch-fundamentalistische Fabricio Alvarado hat nur 39 Prozent der Stimmen erhalten. Im Vorfeld war von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede. Fabricio Alvarado zog gegen Homosexuelle und andere Minderheiten vom Leder.
Auffallend war auch, dass die finanzielle und Social-Media-Unterstützung von evangelikalen Organisationen aus den USA zugunsten von Fabricio Alvarado zu keinen Protesten führte, sondern namentlich in den USA offensichtlich als normal betrachtet wird.
Gewonnen hat mit 61 Prozent der Stimmen der liberale Kandidat Carlos Alvarado der regierenden Partido Acción Ciudadana.

In der Hauptausgabe der SRF-Tagesschau war der Wahlausgang in Costa Rica kein Thema.

Von Interesse war auch die niedrige Beteiligung an der Wiederwahl von Abdelfatah al-Sisi zum Präsidenten Ägyptens. Al-Sisi hatte zu zweifelhaften Methoden gegriffen, um eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen. Das ägyptische Nachrichtenportal Mada Masr berichtete, dass Firmenchefs ihren Angestellten sogar mit Entlassung gedroht hatten, wenn sie nicht wählen gehen. Die Regierung habe den Städten mit der höchsten Wahlbeteiligung mehr Geld versprochen, meldete die NZZ. Die Wahlkommission habe Nichtwählern sogar mit einer Busse in Höhe eines halben Monatslohns gedroht.

In der Hauptausgabe der SRF-Tagesschau waren das endgültige Wahlresultat und die schwache Wahlbeteiligung in Ägypten kein Thema.

Für wichtiger hielt es die Tagesschau-Redaktion, über drei Minuten lang einzelne Ärzte über neue, angeblich zu tiefe Tarife jammern zu lassen. Und über zwei Minuten lang meldete die Tagesschau, dass die Skilifte nach Ostern an vielen Orten weiter laufen – ohne Hinweis auf eine Webseite, auf der man die Orte nachschauen könnte. Die Bergbahnen in Graubünden hätten dieses Jahr mehr Kunden gehabt als letztes Jahr, aber weniger als in früheren Jahren, informierte die Tagesschau. Sie versorgte die Zuschauenden sogar mit genauen Prozentzahlen – allerdings nur fürs Bündnerland. Es kamen ein Vertreter der Seilbahn-Lobby sowie eine Seilbahn-Sprecherin von Flims Laax zu Wort.
Online-Schlagzeile der SRF-Tagesschau: «In der Schweiz zeigt man sich mit der Skisaison zufrieden.» Mit «man» waren offensichtlich die Skilift-Betreibenden gemeint.

Zum Infosperber-Dossier:

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Eine Meinung zu

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    am 3.Apr.2018 um 5:57 pm
    Permalink

    Das ist doch klar: Costa Rica ist doch SO weit weg und das Portmonnaie der Aerzte und unser eigenes liegen doch VIEL näher. Zugegeben: Die Gewichtung der Themen ist eine subjektive Angelegenheit. Aber wenn ein Thema aufgegriffen wird sollte Information vollständig und nicht oberflächlich sein.

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