Das täuschende Platzieren bezahlter Inhalte im redaktionellen Teil von Zeitungen wird immer dreister. Ein aktuelles Beispiel.

Bezahlter Artikel mit Bedingung «Keine Werbekennzeichnung»

Das täuschende Platzieren bezahlter Inhalte im redaktionellen Teil von Zeitungen wird immer dreister. Ein aktuelles Beispiel.

Viele PR-Firmen platzieren schöngefärbte Artikel am liebsten so, dass möglichst viele Leserinnen und Leser meinen, es handle sich um Artikel der Redaktion. Das soll die Glaubwürdigkeit der PR-Botschaften erhöhen.

Die Herausgeber von Print- und Onlinemedien, die häufig mit finanziellen Problemen kämpfen, geben den Wünschen solcher Kunden weitgehend nach. Die Verlage der NZZ und der Tamedia-Gruppe mit Tages-Anzeiger, Sonntags-Zeitung Bund, Berner Zeitung, Landbote, Zürichsee Zeitung usw. helfen solchen gut zahlenden Kunden sogar mit eigenem Personal, um die PR-Seiten und PR-Beilagen so zeitungsgerecht wie möglich zu verfassen und zu gestalten.

Um das Prinzip der Trennung zwischen redaktionellem Teil und PR formal einzuhalten, werden die PR-Beiträge manchmal ziemlich übersehbar mit «sponsered content», «Publireportage», «Verlagsbeilage», «Promotion» oder «in Kooperation mit» bezeichnet. Doch die Aufmachung des Inhalts gleicht derjenigen des redaktionellen Teils oft fast wie ein Ei dem andern.

Das genügt einigen PR-Strategen noch nicht. Sie möchten ihre PR-Artikel gegen gutes Geld ohne jeglichen Hinweis auf den PR-Charakter platzieren. Alexander Eser beispielsweise, «Co-Founder & Managing Director» der Firma «Kaufberaterio Media LLC», wandte sich an Infosperber und schrieb wörtlich:

    «Es würde mich interessieren, ob auf Ihrer Seite infosperber.ch eine Artikelplatzierung möglich wäre? Wichtig wären uns dabei folgende Bedingungen:


    • Links sind DoFollow;

    • Artikel sollte mindestens 24 Monate online bleiben;

    • Keine Werbekennzeichnung.


    Könnten Sie mir hierzu die Konditionen zukommen lassen? Wir freuen uns auf eine zukünftige Zusammenarbeit!»


Zur letzten Bedingung: Sie verstösst krass gegen die Empfehlungen des Schweizerischen Presserats und gegen das Gebot von Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung.
Zur ersten Bedingung: Ein sogenannter «DoFollow»-Link wird einschliesslich der Seiteninhalte in den Index von Google aufgenommen. Das wirkt sich wiederum positiv auf das Ranking der verlinkten Zielseite aus. Damit möchte eine Firma die Glaubwürdigkeit seiner Firmen- oder PR-Webseite im Google-Ranking erhöhen.

Ähnliche Angebote von bezahlten Inhalten erhalten Infosperber wie wohl fast alle Medien immer mal wieder. Allerdings selten mit der Bedingung «Keine Werbekennzeichnung».

Infosperber verbreitet – anders als die grossen Print- und Onlinemedien – keine bezahlten Artikel, auch wenn diese als «sponsered content» oder ähnlich bezeichnet werden dürfen. Das hätte Herr Eser wissen müssen. Im Zeitraum vom 18. Oktober 2019 bis zum 25. Januar 2020 schrieb er Infosperber viermal mit verschiedenen Angeboten an – obwohl Infosperber dreimal antwortete, auf keine solchen Geschäfte einzugehen.
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Dazu weitere Beispiele:
Matthias Zehnder:
Native Ads: Medien sägen am Ast, auf dem sie sitzen

Urs P. Gasche:
Sonntags-Zeitung verbreitet mit Steuergeldern bezahlte Mythen und Märchen

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NACHTRÄGE
Am 27. Januar kam bereits ein nächstes Angebot, um auf Infosperber bezahlte Beiträge zu publizieren:

    Hi there,

    First of all, I would like to say that I enjoyed browsing infosperber.ch. The content provided is genuine and engaging to read.

    We don’t know each other yet but I work for Fortis Media that employs a number of talented and experienced copywriters that deliver content on a wide variety of subjects.

    I was wondering if you would be willing to accept an article that matches editorial style and topics of infosperber.ch. Since an article would contain a contextually integrated link to our partner’s website we would be willing to reward you for publishing it.

    Let me know what you think and let’s talk!

    Sincerely,

    Tomas Lescinskas
    Content Manager
    E: tomas.lescinskas@fortismedia.net
    Fortis Media

Am 31. Januar 2020 erhielt Infosperber folgendes Angebot:

    Hello,

    Our clients and partners are interested to advertise on your website: infosperber.ch

    We are an marketing agency whom help both clients and partners within your country with their Media Buying such as Sponsored Articles / Guest Posts for SEO purposes.

    What are the rates for 1 Sponsored Post? Or a Guest Post? Do you allow Do-Follow links within the articles?

    Thank you

    Kind regards

    Leo Johnson
    Outreach Specialist
    awise.se

Zum Infosperber-Dossier:

Medien: Trends und Abhängigkeiten

Konzerne und Milliardäre mischen immer mehr mit. – Die Rolle, die Facebook, Twitter, Google+ spielen können

2 Meinungen

  • Avatar
    am 27.Jan.2020 um 9:04 pm
    Permalink

    Das nervt in den meisten Zeitungen enorm!!! Dafür ist Infosperber für uns alle interessant!! Unabhängige Journalisten werden immer rarer!! Danke Euch!!

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  • Avatar
    am 26.Jan.2020 um 1:42 pm
    Permalink

    Vielen Dank. Schlimm finde ich auch richtige Artikel von richtigen Journalisten, die aber indirekt bezahlt wurden (z.B. durch angebotene Reisen) und eigentlich Werbung darstellen. Dies betrifft hauptsächlich Autos, Reisen und Computerthemen.

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