Die Online-Ausgabe des «Guardian» ist ohne Abo oder Paywall frei zugänglich. Sie will sich mit freiwilligen Spenden finanzieren.

«Guardian»-online finanziert sich auch mit Spenden

Die Online-Ausgabe des «Guardian» ist ohne Abo oder Paywall frei zugänglich. Sie will sich mit freiwilligen Spenden finanzieren.

Um ein möglichst grosses Publikum zu erreichen, verzichtet der linksliberale «Guardian» für die Online-Ausgabe auf ein Gebührenmodell, seien es Abonnemente oder einen kleinen Betrag pro Artikel. Die oben und am Rand der Online-Zeitung platzierten Werbebanner bringen nicht die nötigen Einnahmen. Deshalb ruft der «Guardian» die Leserschaft unter jedem Artikel auf, einen freiwilligen Beitrag zu zahlen, oder Mitglied eines Unterstützungsclubs zu werden und sich freiwillig zu verpflichten, monatlich 6.35 CHF (4.99 £) einzuzahlen.
Im Spendenaufruf zitiert der «Guardian» eine Leserin:
«Ich schätze den freien Zugang: Zeitungen sind demokratischer, wenn sie allen zugänglich sind und nicht nur wenigen, die zahlen können. Gerne überweise ich eine Spende, damit andere mit einem geringen Einkommen freien Zugang zur Information haben.»

Der mitten in den Artikeln oder am Schluss publizierte Spendenaufruf. Gelbe Hervorhebung durch den «Guardian». Grössere Auflösung der Grafik hier.
Die Online-Ausgabe des «Guardian» konnte die Zahl der regelmässig Zahlenden innerhalb eines Jahres von 50’000 auf 230’000 erhöhen, berichtete die NZZ Ende Juli. Welche Summe innerhalb eines Jahres einbezahlt wurde, gebe der Verlag nicht bekannt.

Auch Infosperber mit Spendenmodell
In der kleinen Deutschschweiz ist es für Online-Zeitungen ungleich schwieriger, sich zu finanzieren. Grosse Verlage pröbeln zwischen Zahlungsschranken (Paywall) und freiem Zugang zu vielen Artikeln. Einige versuchen, ihre Einnahmen mit gesponserten Artikeln aufzubessern («Native Advertising»), wie etwa «Watson» oder im folgenden Beispiel «Zentralplus»:

Die neue Online-Zeitung «Republik» versucht es ab Anfang 2018 nicht mit gesponserten Inhalten und Werbebanner, sondern mit einem grossen Sponsor und dem Verkauf von Abonnements (240 CHF pro Jahr) und Gönnern (1000 CHF pro Jahr).
Infosperber akzeptiert ebenfalls keine bezahlten bzw. gesponserten Beiträge, sondern legt Wert auf unabhängigen, relevanten Journalismus. Ermöglicht wird dieser durch viel unbezahlte Arbeit: Freiwillige besorgen Buchhaltung, Zahlungsabwicklung, Marketing, Grafiken oder den Kontakt zu den Programmierern. Unter den Redaktorinnen und Journalisten bekommen Pensionierte nur bescheidene Vergütungen, während solche im Erwerbsalter tiefe Löhne oder Honorare erhalten.
Bei den Einnahmen setzt die gemeinnützige Stiftung SSUI, welche Infosperber herausgibt, auf Spenden der Leserschaft, die bei den Steuern in Abzug gebracht werden können. Von den Gesamteinnahmen in Höhe von 215’000 CHF im Jahr 2016 (ohne Bruttoeinnahmen aus dem Briefmarkenverkauf) waren 182’000 CHF Spenden. Diese kommen fast ausschliesslich der Redaktionsarbeit zugute, weil Administration, Buchhaltung, Werbung etc. wie erwähnt von Freiwilligen erledigt werden.
Die genauen Zahlen sind aus Bilanz und Jahresrechnung ersichtlich. Über die unbezahlten Arbeiten informiert der Tätigkeitsbericht.
Andere Online-Zeitungen publizieren ihre Zahlen nicht.
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Zum Infosperber-Dossier:

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