«Frohe Botschaften» aus Kiev – die Schweiz hilft …

In der Ukraine herrscht bittere Armut. Aber es gibt auch Milliardäre. Die Nr. 3 zum Beispiel mit einem Firmensitz in der Schweiz.

Die Geschäftsleute Rinat Akhmetov, Victor Pinchuk und Kostiantyn Zhevago krönen die Liste der ukrainischen Millionäre. Gemäss dem Ranking der hundert reichsten Ukrainer liegt das Vermögen von Rinat Akhmetov, dem Alleinaktionär der grössten ukrainischen Holding SCM, bei umgerechnet 6,9 Milliarden Dollar und ist seit dem Vorjahr um 68 Prozent angewachsen.

Rinat Akhmetov ist auch Besitzer des Fussballclubs Schachtjor Donezk und lässt sich gerne feiern, wie hier im Jahr 2009.

Victor Pinchuk, der Besitzer von EastOne, verfügt über ein Vermögen von 1,4 Milliarden Dollar. Dieses ist seit dem Vorjahr um 13 Prozent angewachsen.

Kostiantyn Zhevago, ukrainisches Parlamentsmitglied und Mitglied der Geschäftsleitung der Ferrexpo, verfügt ebenfalls über ein Vermögen von 1,4 Milliarden. Dieses ist im letzten Jahr um 209 Prozent angewachsen. Unter gütiger Mithilfe – notabene – der Schweiz: Die Ferrexpo hat ihren Firmensitz in Baar im Kanton Zug/Schweiz, Verwaltungsratspräsident ist der ehemalige UBS-Banker und Wirtschaftsanwalt Wolfram Kuoni, wohnhaft in Herrliberg ZH und im Jahr 2015 Nationalratskandidat der SVP Kanton Zürich.

«Aufgrund meiner über 20-jährigen Erfahrung in der Wirtschaft – in der Schweiz und im Ausland als Banker, Wirtschaftsanwalt, Unternehmer und Verwaltungsrat – kenne ich die Sorgen der Exportindustrie, des Finanzplatzes, der KMU»: Wolfram Kuoni, Nationalratskandidat für die SVP 2015.

Petro Poroschenko, der ukrainische Staatspräsident und Besitzer der Roshen Confectionery Corporation, ist im Ranking der hundert reichsten Ukrainer «erst» an fünfter Stelle – mit 1 Milliarde US-Dollar Vermögen, gewachsen seit Vorjahr «nur» um 7 Prozent.

Das alles vermeldete die Zeitung Kyiv Post aus Kiev am 27. Oktober 2017.

Und der «Mann von der Strasse?»

In der Ukraine leben die Arbeiter heute in Armut. Sie verdienen weniger als 17 Dollar im Tag, Tendenz sinkend. Die Rentner leben sogar im Bereich des Hungers. Die Rente ist niedriger als 5 Dollar am Tag. (Infos von Seite Yuri Havrylchenko von uiamp.org.)

Ausserhalb des Erfahrungshorizonts des SVP-Wirtschaftsanwalts: Gibt es vielleicht hier noch etwas Essbares? (Foto aus Ushgorod/Ukraine von Christian Müller)

Der Internationale Währungsfonds IWF schickt regelmässig Geld in die Ukraine mit der Begründung, dass die verlangten Reformen – vor allem die Privatisierung von Gemeingütern (!) – zwar nicht schnell genug erfolgten, aber immerhin auf gutem Wege seien. Auch die Schweiz zählt zu den grosszügigen Kreditgebern.

Wer die Ukraine kennt und dort Bekannte hat, weiss: In der breiten Bevölkerung ist von all diesem Geld bisher noch nichts angekommen.

Die nächste Revolution in der Ukraine ist programmiert. Dann allerdings wohl kaum mehr in Sinne der USA wie 2014 auf dem Maidan.

Zum Infosperber-Dossier:

Die Ukraine zwischen Ost und West

Die Ukraine ist sprachlich und kulturell ein geteiltes Land. Die Interessen klaffen weit auseinander.

2 Meinungen

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    am 31.Okt.2017 um 8:31 pm
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    Auch aufschlussreich ist

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/biden-und-ukraine-sohn-des-us-vizepraesidenten-arbeitet-fuer-gaskonzern-a-969348.html

    "Denn der Sohn von Joe Biden heuert bei der Burisma Holding an, einem privaten Gasproduzenten in der Ukraine. Biden ist Rechtsanwalt der New Yorker Großkanzlei Boies, Schiller & Flexner. Er soll als Cheflobbyist Kontakte zu internationalen Partnern pflegen und sich um rechtliche Angelegenheiten kümmern.

    Biden ist nicht der erste Ausländer in der Firma: Im Aufsichtsrat sitzen mehrere Amerikaner, aber kein einziger Ukrainer. Mit von der Partie ist auch Devon Archer, der einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge ein enger Freund des Stiefsohns von US-Außenminister John Kerry ist.

    20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr

    Die Ukraine fördert pro Jahr rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus eigenen Quellen."

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    am 29.Okt.2017 um 1:00 pm
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    Sehr aufschlussreicher Artikel. Aus ökonomischer Sicht fast gleiche Entwicklung wie in Russland, auch dort herrscht eine Clique von Oligarchen, unter der Führung Putins. Zudem ein gutes Beispiel für die missglückte Anbindung eines Landes an den Westen nach dem Zerfall der Sowjetunion und Krieg in der Ostukraine. Die Maidan-Revolution ist auf halbem Weg steckengeblieben, die Fortsetzung wird immer wahrscheinlicher.

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