Bundesrat und Aussenminister Ignazio Cassis erklärt der NZZ den Stil seiner Politik: Er sucht «Opportunitäten».

Cassis bestätigt Opportunismus

Bundesrat und Aussenminister Ignazio Cassis erklärt der NZZ den Stil seiner Politik: Er sucht «Opportunitäten».

Wer es wissen wollte, der wusste es – schon vor der Bundesratswahl: Ignazio Cassis ist ein Opportunist. Mal Italiener, mal Schweizer Bürger, mal Doppelbürger, dann wieder, um auch von der SVP zum Bundesrat wählbar zu sein, wieder nur Schweizer Bürger. Oder, als Kandidat der FDP ebenfalls der SVP zuliebe, kurz vor der Wahl Beitritt zur Waffenlobby-Vereinigung «ProTell». Dann, nur Wochen später, nach kritischen Stimmen in den Medien, wieder Austritt.

Jetzt hat Bundesrat Ignazio Cassis im Rahmen der «NZZ Standpunkte» seine opportunistische Lebensart auch als Aussenminister der Schweiz bestätigt. Die «Grundsätze der Aussenpolitik» müssten immer dem «Zeitgeist angepasst» werden, erklärte er. Von NZZ-Chefredaktor Eric Gujer – nachhakend – befragt, ob das dann nicht «Trittbrettfahren» bedeute, sagte Ignazio Cassis wörtlich:

«Unsere Aussenpolitik ist, wie sie immer war, auch opportunitätsgetrieben. Und das ist ein positives Wort, diese Opportunitäten. Es gibt Opportunitäten. Durch eine Welt, die sich ändert, entstehen immer Gefahren und Opportunitäten – und Chancen. Diese Chancen werden wahrgenommen von unserem Land, und wir steigen auf diese Chancen ein. Aber wir bleiben immer Beobachter der Entwicklung. Sollte die Entwicklung nicht akzeptabel sein, können wir immer auch einen Schritt zurück machen. Das ist die grosse Freiheit der Schweiz.»

Haltung zu zeigen, nein, das ist nicht gefragt. Trittbrettfahren heisst die Devise, um die Worte von Eric Gujer zu brauchen. Oder eben Opportunismus: zu warten, welche «Opportunitäten» sich eröffnen. Auf gut Deutsch heisst das «Rosinenpickerei».

In einem Punkt allerdings liegt Ignazio Cassis nicht ganz daneben. Das sei die Politik der Schweiz immer schon gewesen, sagte er in der gleichen Sendung «NZZ Standpunkte».

Wie sagte doch der französische Philosoph Joseph Marie Graf von Maistre schon im Jahr 1811: «Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.»

Nachzuhören ist Ignazio Cassis auf «NZZ Standpunkte», hörenswert ab Minute 40:00.

Eine Meinung zu

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    am 8.Sep.2019 um 12:16 pm
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    Die andauernde Opportunität scheint eine Schwäche der Schweizer Politiker (scheinbar auch Secondos) zu sein. Wenn die Aussenpolitik anderer Länder die Innenpolitik der Schweiz bestimmt sind wir zum dauernden Reagieren verurteilt. Wir brauchen Politiker und Chefbeamte die, wie es in der Deutschen Politik immer heisst, klare Kante zeigen und den Mut zum Agieren haben. Ansonsten sind sie der ihnen anvertrauten Aufgabe nicht gewachsen und sollen den Platz fähigeren BürgerInnen überlassen.

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