Der Vogelbestand schwindet rapid. Dem Vogel aber, der diesem Portal seinen Namen gab, geht es relativ gut.

Der Sperber im Aufwind

Der Vogelbestand schwindet rapid. Dem Vogel aber, der diesem Portal seinen Namen gab, geht es relativ gut.

„In der Schweiz sind die Bestände der Brutvögel um über die Hälfte eingebrochen. Der Klimawandel und die Landwirtschaft zerstören ihre Nahrungsgrundlage.“ Das berichtete die „NZZ am Sonntag“ in ihrer neusten Ausgabe.

Intensive Landwirtschaft torpediert Fördermassnahmen

Damit bestätigt die NZZ, was Infosperber am 3. Oktober unter dem Titel: „Bauern vertreiben die Vögel aus dem Kulturland“ berichtet hatte. Die Gründe für diesen Artenschwund beschrieb Infosperber am Beispiel der drei besonders gefährdeten Brutvogel-Arten Feldlerche, Braunkehlchen und Neuntöter und kam dabei zum Schluss: „Die intensive Landwirtschaft torpediert alle Fördermassnahmen“.

In ihrem Bericht stützt sich die NZZ auf die neuste Ausgabe des Brutvogel-Atlas der Vogelwarte Sempach, der beim Verfassen des Infosperber-Artikels noch nicht vorlag. Demnach sind die Bestände (nicht zu verwechseln mit den Arten) an Brutvögeln in der „Problemzone Kulturland“, also dort, wo sich Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden am meisten auswirken, um mehr als die Hälfte eingebrochen. In den Alpen, das einst Rückzugsgebiet für im Mittelland bedrohte Arten war, nimmt der Bestand ebenfalls rapid ab. Besonders bedroht ist dort, wie schon Infosperber warnte, das Braunkehlchen.

Der Sperber ist wieder im Aufwind

Was die Redaktion von Infosperber speziell interessiert, ist das Schicksal ihres Namensgebers. Und wenigstens hier können wir Entwarnung geben. Das zeigt der Blick in den Brutvogel-Atlas, der nächste Woche offiziell erscheint: Der Bestand des Sperbers ist heute stabil (und sein publizistischer Namensvetter – aber das steht nicht im Brutvogel-Atlas – befindet sich sogar im Aufwind).

Das war nicht immer so. Die Populationen des Sperbers erreichten wie jene anderer Greifvögel in den 1960er Jahren einen Tiefpunkt. Ursache dafür waren chlorierte Kohlenwasserstoffe, insbesondere das Insektizid DDT. Das schlecht abbaubare Gift wurde grossflächig in der Landwirtschaft verwendet und reicherte sich in der Nahrungskette an. Dadurch wurden insbesondere Sperber und Wanderfalke, die sich von anderen Vögeln ernähren, stark belastet. In der Folge legten die Weibchen dünnschalige Eier, die beim Brüten zerbrachen. Vielerorts verschwanden Sperber und Wanderfalke ganz.

Es brauchte lange Jahre, bis sich die Bestände nach dem Verbot von DDT wieder erholten. Heute gilt der Bestand des scharfsichtigen Vogels in der Schweiz als nicht mehr gefährdet. Gemäss dem neuen Brutvogelatlas leben hierzulande zwischen 3500 bis 6000 Paare. Paradiesisch lebt der Sperber allerdings auch heute nicht: So können die zunehmenden Freizeitaktivitäten seinen Bruterfolg schmälern. Der Vogel wird auch häufig Opfer von Kollisionen mit Glasscheiben und Fahrzeugen, weil dagegen scharfe Augen nichts nützen.

DDT-Verbot wirkte, aber es genügt nicht

DDT ist nun schon lange weg von den Feldern, was dem Sperber seither half. Aber neue Insektizide rückten nach. Der grossflächige Pestizidaustrag geht weiter, in der Schweiz sogar weit intensiver als in unseren Nachbarländern. Auch die übrige intensive Bewirtschaftung vernichtet Leben im Kulturland, senkt beispielsweise die Menge und Vielfalt an Insekten. Deshalb mangelt es an Insektennahrung, auf die fast alle Vögel zumindest während der Zeit der Jungenaufzucht angewiesen sind.

Es bräuchte jetzt also vielerlei Änderungen in der Landwirtschaftspraxis, um den Vögeln des Kulturlandes wieder zu einem Höhenflug zu verhelfen. Alle bisherigen Anstrengungen zeitigten keine Wende, wie die Zahlen aus dem Brutvogelatlas zeigen.

Zum Infosperber-Dossier:

Gifte und Schadstoffe in der Umwelt

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Eine Meinung zu

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    am 13.Nov.2018 um 9:05 am
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    Ich beobachte den Sperber, accipiter gentilis, regelmässig bei meiner Winterfütterungsvogelstation, die mehr der Beobachtung als der «Rettung» von Vögeln dient. Der Sperber hat sich erholt, der Habicht einigermassen; den Wanderfalken sieht man wieder eher als vor 40 bis 50 Jahren, wo zwar noch im alten Steinbruch von Würenlingen ein Paar nistete, später auf dem Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt. Sorgen unter den Wasservögeln macht mir derzeit das Grünfüssige Teichhuhn, das ich zwar kürzlich an der Lahn in Marburg beobachtet habe, nie jedoch am Murtensee, einer der letzten Hochburgen des Kuckucks. Vergleichsweise gut erholt hat sich der Eisvogel, der früher bei Fischern verhasst war. In diesem Zusammenhang muss allerdings gesagt werden, dass der Kormoran in Richtung einer Plage zugenommen hat. Eine Regulierung wäre aus meiner Sicht gerade auch im Sinn des Schutzgedankens im Hinblick auf das Gesamtvorkommen der Vögel erwünscht. Seit 35 Jahren schliesslich habe ich den Raubwürger nicht mehr gesehen, dessen erste Beobachtung seinerzeit am 6. März 1960 bei mir ein bleibendes Interesse für die Vogelwelt «generierte». Damals war der Rotmilan noch seltener als der Schwarzmilan, der unterdessen zurückgegangen ist, im Gegensatz zum mehr und mehr häufig gewordenen Rotmilan, was wohl mit den Fressgewohnheiten der jeweiligen Art zusammenhängt. Die massive Zunahme des Blässhuhns im Gegensatz zum Grünfüssigen Teichhuhn ist nachgewiesenermassen eine Folge der Überdüngung der Gewässer.

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