Es gibt sie noch, die politischen Hoffnungsträger …

Das Vertrauen grosser Bevölkerungsgruppen in «die da oben» ist am Schwinden – auf der ganzen Welt. Nicht ganz zu Unrecht, leider.

Es ist nicht zu übersehen: In fast allen Ländern, in denen man die Situation aus eigener Erfahrung und/oder über vertrauenswürdige Medien einigermassen kennt, ist ein schwindendes Vertrauen in die sogenannten Eliten und vor allem in die Klasse der Politiker zu beobachten. Und die Vorwürfe sind fast überall die gleichen: der eigene Vorteil zähle mehr als das Gemeinwohl. In den einen Ländern ist es grassierende Korruption, in anderen die gut bezahlten Verwaltungs- und Aufsichtsratsmandate wirtschaftlich interessierter Firmen und Verbände an die politischen Entscheidungsträger: die politischen Entscheidungen fallen dann, so die Beobachtung einer im Stich gelassenen Bevölkerung, nicht zu ihrem Wohl, sondern im Interesse der bereits Mächtigen und Reichen.

Aber es gibt Ausnahmen. Eine ist besonders erfreulich und verdient besondere Beachtung: José «Pepe» Mujica. 1935 in Uruguay geboren, als Halbwaise aufgewachsen, als junger Mann politisch engagiert, ab 1970 Mitglied der Guerilla-Organisation Tupamaros und über zehn Jahre im Gefängnis, ab 1985 als Geläuterter erneut politisch engagiert mit Einsitz im Parlament und schliesslich 2009 bis 2013 der Präsident Uruguays. Als Präsident verweigerte José Mujica den Einzug in den Präsidentenpalast und blieb in seiner einfachen Bauernhütte wohnen. 90 Prozent seines Präsidentengehalts spendete er dem Wohnungsprogramm für die Armen Uruguays.

Über José «Pepe» Mujica ist schon viel geschrieben worden. Nicht jede und jeder hat Zeit, sich intensiv mit ihm zu beschäftigen. Jetzt aber gibt es ein ganz kleines Büchlein, nur 13 cm hoch und 9 cm breit, passend also in jede Jackentasche, in dem eine Auswahl Zitate aus Mujicas Reden und Schriften wiedergegeben sind.

Ein paar Kostproben

«Ich lebe noch genauso, wie ich gelebt habe, bevor ich Präsident wurde, bevor ich Minister wurde und bevor ich Kongressabgeordneter wurde; nur mit dem, was ich unbedingt benötige.»

«Ich fahre ein 30 Jahre altes Auto, das nie kaputtgeht und für das keine Steuern mehr bezahlt werden müssen. Ich bin über 80; weshalb soll ich da ein Auto benutzen, das 200 Stundenkilometer fährt? Das ist gefährlich. Mit so einem Auto will ein 80-Jähriger eher angeben als fahren.»

«Es scheint, als wären wir nur deshalb geboren, damit wir konsumieren. Und wenn uns das nicht gelingt, sind wir traurig und fühlen uns ausgeschlossen.»

«Diejenigen, die das Geld lieben, sollten von der Politik ferngehalten werden. Denn sie sind gefährlich.»

«Politik ist der Kampf für das Glück aller.»

«Der Lebensstil der verschiedenen Regierungen entfremdet sie so weit von den Menschen, dass letztere sie nur noch verachten.»

«Die Menschen in den Industriestaaten haben all die Kriege und Gräueltaten vergessen, die sie im Laufe der Jahrhunderte erlebt haben. Aber jetzt haben sie – statt dankbar zu sein – Angst vor denjenigen, die sie jahrhundertelang kolonisiert und mit Waffengewalt arm gehalten haben. Statt die anderen zu unterstützen, verhalten sich jedoch diese Gesellschaften jetzt fremdenfeindlich.»

José «Pepe» Mujica

«Wir sind Anhänger eines Systems, welches predigt, dass man nur dann glücklich ist, wenn man immer mehr Reichtum anhäuft.»

«Wenn wir den Kapitalismus wie eine Monstranz vor uns hertragen, ihn aber nicht aus ethischer und moralischer Sicht betrachten, können wir die Korruption nicht vermeiden. Da wir die menschliche Natur kennen, ist das eine logische Konsequenz; und wir können daher auch von Politkern nichts anderes erwarten.»

«Für alles existieren Marketingstrategien: für Friedhöfe, für Entbindungsheime, für Väter, für Mütter, für Grossväter, für Autos und für Ferien. Alles ist zum Geschäft und zur Ware geworden.»

«Wenn wir glauben, dass der Markt die Ungleichheit beseitigt, werden wir schon bald vom Gegenteil überzeugt werden.»

«Es gab noch nie so viel Wissen. Und obwohl wir weltweit in vollem Bewusstsein zwei Millionen Dollar pro Minute in Rüstung investieren, gibt es welche, die behaupten, dass keine Ressourcen vorhanden sind, um die Armut zu beseitigen. Diese Leute haben kein Schamgefühl.»

«Die Krise der heutigen Zeit besteht im Unvermögen der Politiker, zu erkennen, dass die Menschheit keinen Nationalismus braucht.»

«Der eigentliche Sinn des Lebens besteht nicht darin, etwas zu bekommen, sondern etwas zu geben. Egal wie es Dir geht, es gibt immer etwas, das du anderen geben kannst.»

Und wie kommt man zu dem Büchlein?

Das kleine Büchlein hat 148 Seiten, ist 86 Gramm schwer und kostet gerademal 10 Euros, wenn man es beim Nomen Verlag direkt bestellt: Worte des «ärmsten Präsidenten der Welt» José «Pepe» Mujica.

Man steckt es in die Tasche und liest es unterwegs, im Tram, im Zug, im Stau auf der Autobahn – wo immer man ein paar Minuten Zeit hat, etwas zu lesen, das Hoffnung auf eine bessere Welt entstehen lässt.

Und hier noch zwei Links

Besprechung des selben Büchleins in der Schweizer Zeitschrift «Zeitpunkt», hier anklicken.

José Mujica, auf Youtube

Zum Infosperber-Dossier:

Führt Wachstum zu Glück oder Crash?

Geht uns die Arbeit aus, wenn wir nicht ständig mehr konsumieren? Oder sind die Renten in Gefahr?

3 Meinungen

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    am 18.Jun.2019 um 6:59 pm
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    Wie kann es sein, dass trotz der vielen untergeordneten Geisteswissenschaften der Philosophie ein derart verkommenes Gemeinwesen entstehen konnte. Will verstehen, wie Neid, Gier und Klassenwahn dermaßen weltbeherrschend wurde und somit die derzeitige Kultur in den Nahbereich eines unwiderruflichen Abgrunds brachte.

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    am 16.Jun.2019 um 1:39 pm
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    Ein gebildeter Mensch
    Wie steht es um die allgemeine Bildung, wenn man zu diesen Erkenntnissen nicht schon längst selbst gekommen ist ?
    Kaum einer der schmalspur Fachidioten wird seine Vorurteile und sein krudes Weltbild durch dieses Büchlein in Frage stellen.
    (Bildung ist die Fähigkeit sich mit viel Erkenntnis- u. Urteils-Kraft «selbst» ein zutreffendes Bild über die Tatsachen im Weltgeschehen machen zu können.)

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    am 16.Jun.2019 um 1:22 pm
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    Ich fahre auch ein 30 Jahre altes Auto, das nie kaputtgeht.
    Aber eine grüne Berner Lokalpolitikerin A. T. wollte mich vor ein paar Jahren mit einer 1.5-fachen Malussteuer dafür strafen!

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