Das gestörte Verhältnis zwischen Trump und den Institutionen ist ein zusätzliches Risiko bei einer Finanzkrise.

Finanzkrise: unterschätztes Risiko

Das gestörte Verhältnis zwischen Trump und den Institutionen ist ein zusätzliches Risiko bei einer Finanzkrise.

Es wird analysiert, interpretiert, extrapoliert und spekuliert: Das Jahr 10 nach der Finanzkrise von 2008 beschäftigt Wirtschaftsjournalisten, Ökonomen und Finanzexperten. Steht der nächste grosse Crash bald bevor? Vielleicht bereits 2020, wie Nouriel Roubini vermutet? Der amerikanische Wirtschaftspublizist Allan Sloan wiederum glaubt, dass das globale Finanzsystem weniger durch die immer wieder diskutierten bekannten Probleme gefährdet sei, als durch Faktoren, die niemand richtig auf dem Radar habe.

In einem von der Informationsplattform Pro Publica und der Washington Post publizierten Artikel nennt Sloan vor allem eine Gefahr, die in der Öffentlichkeit praktisch nicht diskutiert wird. Die Gefahr heisst Donald Trump. Dabei geht es nicht einmal in erster Linie um die Wirtschafts- und die Finanzpolitik des US-Präsidenten, sondern um ein viel tiefer liegendes Problem, auf das der Autor aufmerksam macht: Trump habe die Beziehungen ausgerechnet zu jenen Institutionen zerstört, die geholfen haben, die vergangene Finanzkrise einigermassen zu bewältigen. Mit einem Mann ohne Impulskontrolle, der «Fakten» erfindet, wie wild twittert, seine Untergebenen öffentlich blossstellt, Gegner und Verbündete beleidigt und einen Handelskrieg lostritt, wird wohl in einer wirklich ernsten Situation niemand vertrauensvoll zusammenarbeiten können.

Bush und Obama: «Wie Erwachsene»

Man könne von George W. Bush und Barack Obama halten, was man wolle, aber wenigstens «strahlten sie Ernsthaftigkeit aus und benahmen sich während der Krise wie Erwachsene.» Weder Bush noch Obama hätten sich in die Entscheidungen des Zentralbankchefs und des Finanzministers eingemischt oder sie desavouiert. Allan Sloan stellt die rhetorische Frage, ob bei der nächsten bedrohlichen Finanzkrise wohl «irgendjemand den US-Finanzminister Steve Mnuchin oder den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, gegen den Trump immer wieder twittert, ernst nehmen würde?» Oder ob jemand meine, diese beiden besässen die Autorität, die USA zu irgendetwas zu verpflichten? Für Sloan ist klar, dass im Krisenfall eine stabile Zusammenarbeit der USA mit China, Japan und Europa nicht möglich sein wird, weil mittlerweile niemand mehr sicher ist, ob man Trump vertrauen könne, oder ob er nicht vielmehr Mnuchin, Powell oder anderen Entscheidungsträgern im entscheidenden Moment in den Rücken fällt.

Zum Infosperber-Dossier:

Die Macht der Grossbanken

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Eine Meinung zu

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    am 24.Sep.2018 um 11:02 am
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    Es ist sehr erfreulich, dass Herr Müller-Mratt die Verbindung zwischen Trump und einer künftigen Finanzkrise schafft. Die Kernfrage, die sich mir stellt, lautet: Was hat er vor? Mit seinen Aktionen provoziert er ja geradezu eine Finanzkrise. Ist das Absicht oder Ahnungslosigkeit? Wenn er nämlich das Buch von Rana Foroohar „Makers and Takers“ gelesen hat (Danke für den Hinweis, InfoSperber!), dann könnte seine Absicht die Machtenthebung der Wallstreet mittels einer Krise lauten. Das wäre recht machiavellistisch aber unrepublikanisch und sehr riskant. Ist es Ahnungslosigkeit, dann würde er wahrscheinlich selbst enthoben und die Wallstreet nochmals gestärkt werden. So oder so sollten wir schnellstens schauen, dass unser Finanzsystem so einen Sturm unbeschadet übersteht. Leider war die Ablehnung der Vollgeld-Initiative nicht der richtige Weg dazu.

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