Trotz Covid-19-Krise: Es wird provoziert und provoziert und …

Die Covid-19-Krise bringt die einen zusammen, andere missbrauchen sie mit böswilligen Aktionen. Ein übles Beispiel aus Prag.

Weltweit sind Hunderttausende von Menschen krank, Zehntausende vor allem ältere und mit anderen Krankheiten schon vorbelastete Menschen sterben, ganze Länder haben das Alltagsleben gestoppt und die Wirtschaft lahmgelegt. Millionen von Menschen sind bereits arbeitslos geworden – allein in den USA sind es bereits über 10 Millionen. Die Covid-19-Krise ist mittlerweile harte Realität.

Eigentlich würde man erwarten, dass die Krise auch Anlass zum Nachdenken gäbe. Zum Nachdenken über gegenseitige Hilfe, über Solidarität mit den Unterprivilegierten, vielleicht sogar über Friedensinitiativen. Im eher kleinräumigen, privaten Umfeld vieler Menschen scheint das auch so zu funktionieren. Umso befremdlicher aber ist es, dass im Bereich der geopolitischen Auseinandersetzungen nicht nur kein solches Umdenken zu beobachten ist, sondern im Gegenteil widerliches Gezänk und Missbrauch der Situation offensichtlich sind. Die USA sind unentwegt daran, vor allem China zu verunglimpfen. Die EU ihrerseits denkt daran, die Budgets für die Anti-Russland-Propaganda um einige Millionen zu erhöhen.

Wie sich in der EU der Russlandhass konkret auswirken kann, zeigt ein Beispiel aus Prag. Vor zwei Tagen, am Freitagmorgen, 2. April 2020, mitten in der Covid-19-Krise, hat der Bürgermeister des Distrikts Prag 6, Ondřej Kolář, ein Denkmal für General Ivan Stepanowitsch Konev mit einem Kran beseitigen lassen. Ivan Konev war jener sowjetische General, dessen Truppen Ende Januar 1945 Auschwitz von den Nazis befreite und ein paar Wochen später auch die Stadt Prag von den Nazis befreien half.

Das Vorgehen von Ondřej Kolář darf insofern als wohl besonders hinterhältig bezeichnet werden, als er die Entfernung dieses Monumentes genau jetzt in der Covid-19-Krise vornahm, da auch in der Tschechischen Republik Ausgangsverbot herrscht. Es konnten also auch jene Leute, die mit der Entfernung des Monuments nicht einverstanden waren – darunter pikanterweise auch Staatspräsident Miloš Zeman – nicht herbeieilen und ihrer Meinung Ausdruck verleihen. Die Kompetenz zu diesem Akt aktiver und besonders widerlicher Provokation gegenüber Russland lag rechtlich tatsächlich ausschliesslich bei Ondřej Kolář.

Das Ereignis wurde immerhin auch im Ausland bemerkt. Selbst die New York Times berichtete schon am Freitag online darüber, wenn auch kommentarlos.

Es darf selbstverständlich über General Ivan Konev diskutiert und unterschiedlich geurteilt werden. Aber muss so eine provokative Aktion wirklich jetzt in diesen Wochen einer weltweiten Gesundheitskrise stattfinden?

(Das Bild oben zeigt das Monument für Ivan Konev am 11. Dezember 2019, also noch vor knapp vier Monaten. Da bereits damals in Prag die Rede davon war, dass Ondřej Kolář das Monument zu entfernen gedenke, hat der Autor dieser Zeilen es noch photographisch festgehalten – für den Fall der Fälle. Jetzt ist es Realität.)

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    Eine Meinung zu

    • Avatar
      am 5.Apr.2020 um 11:59 am
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      Armselig, diese Stimmungsmache, ohne dass sich weniger eingeschnappte Tschech:Innen wehren könnten …

      0

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