«Wir waren noch nie näher bei einem Atomkrieg»

Urs Schöttli, langjähriger NZZ-Korrespondent in Asien, ortet die Gefahr weniger in abfangbaren Raketen Nordkoreas als in Pakistan.

Pakistan verfüge über «hundert einsatzfähige islamische Atombomben». Falls nach einem Militärputsch IS-freundliche Militärs an die Macht kämen, würden diese «die Atombomben mit Sicherheit einsetzen».
Mit diesen «ernüchternden Bemerkungen» rüttelte Schöttli rund 500 Gäste auf, die sich am Donnerstag auf Einladung der Anwaltskanzlei «Kellerhals Carrard» im Berner Kursaal einfanden.

Urs Schoettli

Aufruf an die Weltöffentlichkeit

Unter dem Titel «Atomgefahr aus Pakistan grösser als aus Nordkorea» hatte Infosperber am 20. Juli über das hohe Risiko informiert, dass Terroristen zu pakistanischen Atomwaffen kommen.

«Ich habe allen Grund daran zu zweifeln, dass die pakistanische Regierung in der Lage bleibt, ihre Atomwaffen von Terroristen fernzuhalten», erklärte Rahmatullah Nabil, der bis 2015 dem afghanischen Geheimdienst vorstand. Er rief die USA, die Internationale Atomenergieagentur IAEA sowie den UN-Sicherheitsrat auf, in Pakistan zu intervenieren. «Die Welt muss Pakistans Atomwaffen schützen», appellierte Nabil die Weltöffentlichkeit in einem Aufruf in der New York Times vom 20. April 2017.
Grosse Schweizer Medien haben über diesen Aufruf nicht informiert.

Eine tickende Zeitbombe

Der Ex-Chef des afghanischen Geheimdienstes warnte, dass gerade jene pakistanischen Beamten, die am besten über das Nuklearprogramm Bescheid wissen, zum Kreis der Personen gehören, denen die Lage am meisten Besorgnis bereitet. Pakistan sei nicht nur einer der neun Staaten, die Atomwaffen besitzen (und steht dabei punkto Grösse des Atomwaffenarsenals mutmasslich vor Grossbritannien an fünfter Stelle), sondern gelte auch als Brutstätte und Zufluchtsort für Jihadisten und andere Terroristen, deren Netzwerke vom Militär zur Verfolgung eigener Zielsetzungen in der Region benutzt werden.
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Preis für Gerhard Schwarz
Vor dem Referat von Urs Schoettli kam es im Berner Kursaal zur Verleihung des «Preises der Freiheit» der Bonny-Stiftung. Der mit 100’000 Franken dotierte Preis ging an den früheren NZZ-Wirtschaftsredaktor und «Avenir Suisse»-Leiter Gerhard Schwarz. Der Preisträger warnte davor, dass nicht alle, die sich «liberal» nennen, auch liberale seien. Nur eine Minderheit nehme die Grundpfeiler des Liberalismus noch ernst genug: Die Eigenverantwortung und das Privateigentum.

Gerhard Schwarz mit dem «Preis der Freiheit» (Foto zvg)
In seiner Laudatio lobte Beat Brechbühl, Vizepräsident der Bonny-Stiftung» und Management-Partner der Kanzlei «Kellerhals Carrard», Schwarz als grossen «Influencer», der das ganze Land beeinflusst habe. Rechtsanwalt Brechbühl meinte, er sei von wenigen Büchern so stark und langfristig inspiriert worden wie von dem im Jahr 1995 veröffentlichten Buch «Mut zum Aufbruch», an dem Gerhard Schwarz aktiv mitgewirkt hatte.

Zum Infosperber-Dossier:

Der ordoliberale Gerhard Schwarz

«Ordoliberale Prinzipientreue» propagierte Schwarz jahrelang in der NZZ und bis März 2016 bei Avenir Suisse

Gerhard Schwarz: Widerspruch

Der frühere NZZ-Wirtschaftschef und Leiter von «Avenir Suisse» zählt sich zum Kreis der echten Liberalen.

3 Meinungen

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    am 4.Sep.2017 um 1:05 pm
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    Leider wird die Gefahr der Atomwaffen in Pakistan und Indien immer wieder unterschätzt und die USA machen einen gefährlichen Eiertanz in dieser Gegend der Welt, indem sie mit instabilen Regimen zusammenarbeiten wie in Pakistan, wo es um die Demokratie nicht gerade gut bestellt ist, und in Saudi Arabien, wo ein absolutistisches und menschenverachtendes Regime die Herrschaft innehat.

    Pikantes Detail: Wie wir ja aus dem Tinner-Skandal wissen, stammen die Baupläne für die pakistanische Bombe aus der Schweiz (Der damalige Bundesrat Blocher hatte es ja sehr eilig, diese Pläne verschwinden zu lassen, vermutlich weil hier auch die Schweiz etwas zu vertuschen hat – man lese hierzu einmal den Wikipedia-Artikel über die Schweizer Atombombe – die gab es [und gibt es noch?] nämlich auch, das würde auch die Baupläne in Schweizer Hand erklären); Nordkorea hat seine Bombenpläne wiederum aus Pakistan also indirekt auch aus der Schweiz. Welche Schweizer Firmen damit ihr Geld verdienen wäre dann noch ein anderes Thema…

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    am 2.Sep.2017 um 5:31 pm
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    Zu der Atomkriegsgefahr die von Pakistan aus geht, seien auch die Schweizer Tinner, Vater und Sohn erwähnt. Sie arbeiteten mit Abdul Kadir Khan, dem „Vater der pakistanischen Atombombe“, zusammen. Der Sohn Urs Friedrich Tinner, wechselte später die Seite und half der CIA das Atomwaffen-Programm von Muammar al-Gaddafi aufzudecken.

    Die Lieferungen der VAT in Cham mit der Cora Engineering AG für das Atomprogramm Pakistans wurde am 20. Februar 1981 durch einen Anschlag auf die Garagentür eines Ingenieurs der Cora gestoppt. War es eine Operation eines Geheimdienstes? (Siehe das Buch: Waffenplatz Schweiz, das Kapitel Peter Hug, Schweizer Atomindustrie im Dienste der atomaren Aufrüstung, Bern 1983)

    Angesichts dieser bekannten Skandale ist es eigentlich erstaunlich, dass die Nationalbank, Grossbanken, Pensionskassen und Versicherungen sich heute finanziell an der atomaren Aufrüstung beteiligen dürfen, mit dem Segen von Bern, der Bundesrätinnen und Bundesräte. Nach dem Kriegsmaterialgesetz wäre das klar verboten, die Finanzierung von ABC Waffen.

    Wie am 20. August 2017 in der NZZ am Sonntag berichtet wurde, hat heute die Schweizerische Nationalbank 1,2 Milliarden Franken in US-Unternehmen angelegt die Nuklearwaffen produzieren. Wo bleibt da die Justiz, das Bundesgericht?

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    am 2.Sep.2017 um 3:22 pm
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    Man muss kein Hellseher sein um diese Gefahr zu erkennen. Nur wer um Gottes willen ist in der Lage diesem Aufruf zum Schutz der pakistanischen Atomwaffen wirkungsvoll zu folgen? Die USA sind mit sich und Ihrem Präsidenten beschäftigt.
    Und wenn eine US-Intervention wieder so herauskommen würde wie die im Irak ….
    gute Nacht. Wie im Artikel geschrieben wurde, hört und liest man wenig über diese Bedrohung.

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