Firmen-PR ersetzt zunehmend den notleidenden Journalismus. Ein spontaner Dankesbrief ans EKZ beim Lesen ihres Kundenmagazins.

Danke, liebes Elektrizitätswerk

Firmen-PR ersetzt zunehmend den notleidenden Journalismus. Ein spontaner Dankesbrief ans EKZ beim Lesen ihres Kundenmagazins.

Betrifft: Blue – Das Magazin der EKZ

Sehr geehrte Damen und Herren

Immer, wenn ich «blue – das Magazin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich» (EKZ) zusammen mit 300’000 andern Empfängern gratis erhalte, freue ich mich, dass Sie Journalistinnen und Journalisten, die in der notleidenden Medienbranche kein Auskommen mehr finden, etwas Arbeit und Lohn verschaffen. Damit leisten Sie aktive Sozialhilfe.

Darüber hinaus schützen Sie auch die Interessen der EKZ als Staatsbetrieb, an dem ich als Kantonsbürger teilhabe. Denn wenn die Journalistinnen und Journalisten in Ihrem Solde stehen, kommen sie nicht in Versuchung, etwas zu schreiben, was den Umsatz der EKZ schmälern und damit Ihr Geschäftsmodell beeinträchtigen könnte.

Ihre neuste Ausgabe des blauen Magazins zum Thema Elektromobilität illustriert das besonders treffend, etwa mit dem Bericht „E-Auto-Fahren: Ich habe das Gefühl zu schweben“ oder Ihrer „Infografik Elektrisch unterwegs„. Mit der Propagierung von Elektroautos helfen Sie mit, uns ein Verkehrssystem zu erhalten, das zu 90 Prozent Verpackungen und daneben – wenn’s hochkommt – noch zehn Prozent Inhalt transportiert. Dafür greift auch ihr Chef Urs Rengel, der als Ausführender Chefoffizier (CEO) offenbar noch Zeit hat, sich im stockenden Kolonnenverkehr fortzubewegen, enthusiastisch in die Tasten: «Ich bin ein leidenschaftlicher Elektroautofahrer.»

Mit Ihrer Elektroauto-Kampagne sorgen Sie dafür, dass Ihre Monopolkundschaft nicht in Versuchung kommt, auf die zehn bis dreissig Mal effizienteren Elektrovelos umzusteigen (die nur 20 Prozent Verpackung, aber 80 Prozent Inhalt transportieren). Denn wenn alle das täten, bräche der Energieumsatz aller Verkehrsversorger – ob Exxon oder EKZ – massiv ein.

Als EKZ-Monopolkunde und Journalist, der nie im Solde einer Lobbyorganisation oder eines Staatsbetriebs stand, freue ich mich, dass ich mit meiner EKZ-Stromrechnung samt verbrauchsunabhängigem Fixkostenbeitrag Ihre kombinierte Stromabsatz- und Journalisten-Fürsorgetätigkeit finanziell mit unterstützen darf. Und haben Sie auch Dank dafür, dass Sie mir meine Themen, die zeigen, wie man den Energie- und Naturverbrauch wirksam reduzieren kann, nie streitig machen.

Freundlich grüsst
Hanspeter Guggenbühl

Zum Infosperber-Dossier:

Medien unter Druck

Wer Zeitungen und Fernsehen kontrolliert und besitzt, hat Einfluss und Macht.

Eine Meinung zu

  • Avatar
    am 26.Jun.2019 um 4:52 pm
    Permalink

    Danke Herr Guggenbühl für den geistreich und witzig abgefassten Kommentar zur PR-Postille des EKZ. Aber hier weiss man wenigstens aus welcher Küche das Loblied kommt. Bei Artikeln in Tageszeitungen, verfasst von sogenannten Wissenschafts-Journalisten ist das oft weniger durchschaubar.

    0

Deine Meinung ist gefragt!