Wechsel in der SBB-Hierarchie. Was davon zu halten ist, erklärte Laurence J. Peter schon 1969.

Neuer Gipfel für SBB-Managerin

Wechsel in der SBB-Hierarchie. Was davon zu halten ist, erklärte Laurence J. Peter schon 1969.

Jeannine Pilloud, Leiterin SBB-Personenverkehr, verlässt ihre bisherige Stellung im Management und übernimmt den neu geschaffenen Posten mit der Bezeichnung «SBB-Delegierte für ÖV-Branchenentwicklung». Das teilten die SBB am Dienstag mit. In dieser neuen Funktion, so meldet die SBB-Medienstelle, «rapportiert sie direkt an SBB-CEO Andreas Meyer» – als ob Pilloud das in ihrer bisherigen Funktion als operative Chefin der wichtigsten SBB-Abteilung nicht auch schon getan hätte. Ersetzt wird die 53-jährige Pilloud ab 1. Januar 2018 durch den über 60-jährigen Toni Häne, der seit 46 Jahren im Sold der SBB steht.

Als Verantwortliche für den Personenverkehr fiel Pilloud weniger durch besondere Fähigkeiten auf denn durch vollmundige Ankündigungen. So versprach sie zum Beispiel kurz nach ihrem Stellenantritt vor sieben Jahren, die taxpflichtigen Toiletten in den grossen SBB-Bahnhöfen sollten künftig wieder gratis werden, um die Toiletten in den Zügen zu entlasten. Seither geschah das Gegenteil. So haben die SBB auch ihre verbliebenen Gratis-WC in den kleineren Bahnhöfen mehrheitlich zu taxpflichtigen umgerüstet

Ebenfalls in Pillouds Amtszeit fiel die um fünf Jahre verzögerte Ablieferung der 2010 bei Bombardier bestellten neuen Intercity-Züge; nach neusten Informationen sollen diese nun im Lauf des nächsten Jahres mit einer befristeten Bewilligung den Betrieb aufnehmen. In der Öffentlichkeit trat die studierte ETH-Architektin und spätere IT-Fachfrau vor allem als Kolumnistin mit «Schotterblick» in der Gratiszeitung «Blick am Abend» in Erscheinung, zuletzt am 8. Dezember unter dem Titel «Es ist einfach warm im Zug».

Wer sich fragt, warum die Chefin der wichtigsten SBB-Division mit 14’000 Angestellten sich auf einen internen Beratungsposten versetzen lässt – oder dorthin versetzt wird, findet Anregungen im 1969 von Laurence J. Peter veröffentlichten Buch «Das Peter Prinzip». Laut Peter wird in Hierarchien jede Person solange befördert, bis sie die erste Stufe ihrer Unfähigkeit erreicht hat. Dort bleibt sie dann sitzen, meistens jedenfalls, aber nicht immer. Denn es gibt Auswege.

Einen dieser Auswege nannte Peter «seitliche Arabeske». In diesem Fall wird eine unfähige Person, die einen wichtigen Posten besetzt, wegbefördert auf einen «frei schwebenden Gipfel» . Dabei handelt es sich um einen hierarchisch hohen Posten ohne wesentliche Funktionen und in der Regel auch ohne Angestellte. Auf unsere Frage, ob Jeannine Pilloud ihren neuen Posten als «SBB-Delegierte für ÖV-Branchenentwicklung» allein besetzen wird oder unter sich ein neues Team bilden kann, antwortet ein SBB-Sprecher, das sei noch offen.

3 Meinungen

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    am 14.Dez.2017 um 7:06 pm
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    Den Chef lässt man ja auch mit dem entsprechenden Leistungsnachweis in Deutschland gewähren.

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    am 13.Dez.2017 um 11:49 am
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    Richtig schlussgefolgert, lieber Hanspeter Guggenbühl.

    Es interessiert ja nicht die Frage, ob Mann oder Frau, sondern, weshalb CEO Meyer seine Mitarbeiterin Frau Pilloud 6 Jahre in der Geschäftsleitung gewähren resp. wursteln liess. Ihre Talente liegen tatsächlich eher gut wahrnehmbar im Bereich Marketing Kommunikation, also leere Versprechungen. Im wichtigen Geschäftsbereich Personenverkehr hat man ihr allerdings die «Kunden» anvertraut. Und dort hat sie vor allem geplaudert und sich regelmässig im «Blick am Abend» als Kolumnistin in Sauglattismus verströmt.

    Egal. Jetzt ist sie oben in der Besenkammer angekommen und kann in der Sine Cure ihren Berufsabend verbringen, bis sie davonschwebt in eine andere GL Etage, wo sie wiederum irgend etwas machen muss, das sie nicht so gut kann. Wie wär’s als freischaffende Beraterin für öffentlichen Verkehr? Oder eine vorzeitige Pensionierung? Beides wäre eine Erlösung für alle Beteiligten und Betroffenen?

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    am 13.Dez.2017 um 10:11 am
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    Ich kann seit längerem nicht unterdrücken, dass mir Doris Leuthard, Monika Ribar und Jeannine Pilloud als ‚Ringier-Tanten‘ vorkommen. Im Falle von Doris Leuthard noch ‚angereichert‘ mit bedingungsloser SRG-Treue. Es soll jedoch nicht unterwähnt bleiben, dass auch der SBB-CEO am eher peinlichen ‚Schweizer Digitaltag‘ seinen Kopf vor alle möglichen und unmöglichen Boulevard-Mikros und -Kameras hielt. Peter Quadri hat in einem aussergewöhnlich brillanten «NZZ"-Leserbrief vom 7.Dezember den Shoblock wie folgt charakterisiert: «Der Digitaltag war eingebettet zwischen dem Tag der Kinderrechte und dem Tag der Hausmusik. Hier hat er seine völlig unbedeutende Nische gefunden». Es gibt, glücklicherweise, auch Frauen in unternehmerischen Spitzenpositionen, die sich der dümmlichen Ringier-Boulevardisierung recht erfolgreich entziehen. Ich denke etwa an Susanne Ruoff (Die Post) und Suzanne Thoma(BKW).

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