Ein US-Journalist beschreibt den Klimawandel als Apokalypse. Und er untermauert seinen Alptraum mit Fakten.

«Sie sind nicht genügend alarmiert»

Ein US-Journalist beschreibt den Klimawandel als Apokalypse. Und er untermauert seinen Alptraum mit Fakten.

Zwei kleine Warnungen vorweg: Der nachfolgend empfohlene Text ist erstens lang, aber er wird Sie rasch in seinen Bann ziehen. Und er wird – zweitens – Ihre gute Laune beeinträchtigen. Es geht nämlich um nichts weniger als den bevorstehenden realen Weltuntergang. David Wallace-Wells, Redaktor beim New York Magazine, hat mit Dutzenden von Klimatologen und anderen Wissenschaftlern Interviews geführt und Hunderte von Studien und Aufsätzen zum Klimawandel verarbeitet. Das Resultat ist ein Text, der mit Informationen und Szenarien aufwartet, die wohl die meisten Menschen bisher in dieser Art kaum durchdacht haben: «Ganz egal, wie gut informiert Sie sind, ausreichend alarmiert sind Sie nicht», schreibt der Autor.

Hintergrundlektüre zur Hurrikan-Saison

Der Bericht folgt zwar einer Dramaturgie der schlimmsten möglichen Entwicklung, aber er ist in jedem Punkt bestens belegt. Die Kürzestzusammenfassung: Wir müssten uns schon sehr anstrengen, wenn wir Katastrophen apokalyptischen Ausmasses verhindern wollten. Es geht nämlich immer schneller: Die Erde hat sich seit 1998 doppelt so schnell erhitzt, als die Wissenschaftler ursprünglich gedacht hatten. Und wenn unsere Vorstellungen des Klimawandels allein vom Anstieg des Meeresspiegels, von stärkeren Wirbelstürmen und aufgetautem Permafrost bestimmt sind, dann kratzen wir nur «gerade an der Oberfläche dessen, was an schrecklichen Dingen bereits im Leben eines heutigen Teenagers möglich ist». Mittlerweile seien «auch viele nüchterne Wissenschaftler, die ich interviewt habe, im Stillen zu apokalyptischen Schlussfolgerungen gekommen», schreibt Wallace-Wells. Wer seinen Text liest, wird verstehen, warum das so ist.

Der im Juli 2017 im New York Magazine erschienene Text liegt nun in voller Länge auf Deutsch unter dem Titel «Der Planet schlägt zurück» vor, und zwar in der jüngsten Ausgabe des Magazins der Freitag. Er ist die ideale Hintergrundlektüre zur gegenwärtigen Hurrikan-Saison und einigen anderen Ereignissen der vergangenen Tage und Wochen.
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Zum Infosperber-Dossier:

Die Klimapolitik kritisch hinterfragt

Die Menschen beschleunigen die Erwärmung der Erde. Doch kurzfristige Interessen verhindern griffige Massnahmen.

2 Meinungen

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    am 12.Sep.2017 um 8:28 am
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    Ja, das mit dem Regenwald ist ein Fehler bei der Zitierung der Quelle, welche hauptsächlich von Amazonien handelt, aber die 20% auf alle Regenwälder bezieht.

    Was ist schlimmer: Die Klimaleugner, die das tun *müssen*, wenn sie gleichzeitig anständlige Menschen sein und eine https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz vermeiden wollen? Oder die Mainstream-Politiker, welche *wissen* was zu tun ist, aber es *nicht* tun? Und nicht zugeben, dass ihnen kurzfristige Vorteile wichtiger sind als die Zukunft ihrer Enkel?

    Lokal erlebe ich z.B. dass meine Gemeinde, welche die 2000W-Gesellschaft in ihr Leitbild geschrieben hat, z.B. nur wegen einer Sportnorm stattliche Bäme fällt und Hunderte Tonnen Sand Tausende von Kilometer weit transportieren lässt, und mein Kanton immer mehr Strassen baut, damit der Verkehr noch mehr zunehmen kann.

    Wenn man mit den Verantwortlichen spricht, wirken sie ganz normal, und sind es leider auch. Aber eben irrational, wie wir alle.

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    am 9.Sep.2017 um 7:15 pm
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    Der Artikel mag für viele ein Weckruf sein, weshalb ihm auch viel Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Bedauerlicherweise untergraben einige blöde oder falsche Aussagen seine Glaubwürdigkeit: Der Amazonasregenwald produziere 20% des Sauerstoffs (blöd); Die Emissionen der Landwirtschaft müssten komplett auf null heruntergefahren werden (falsch). Und die Behauptung, die Forscher meinten, wenn alle fossilen Brennstoffe verbrannt seien, würden wir vielleicht zu einer globalen stationären Ökonomie zurückkehren, ist entlarvend, weil schwach-sinnig, denn, was geschieht, wenn alle fossilen Energieträger verbrannt würden, hat der Autor (Wallace) ja ansatzweise zu beschreiben versucht.
    Und zweifellos glauben nicht «die Forscher», ohne fossile Energie, würden wir vielleicht zu einer globalen stationären Ökonomie zurückkehren. Viel eher haben sie vorgerechnet, dass die Weltwirtschaft bei Verzicht auf die fossilen Energien nicht gross leiden würde.
    Was es braucht, ist der Verzicht auf fossile Energie und das komplett und schnell. Die technologischen und wirtschaftlichen Hürden sind bescheiden, die geopolitischen scheinen dagegen unüberwindbar zu sein. Der Lösung im Weg steht das Prinzip Freiwilligkeit. In Paris wurde es ins Zentrum gestellt, und die Ambition einer globalen Einigung geschwächt. Vielleicht wurde in Paris ein Klimadesaster verabschiedet. Statt ein selbstgefälliges Klima-JeKaMi mit Schulterklopfen und Eigenapplaus braucht es Klimarealpolitik. Zu spät ist es nicht. Aber es drängt.

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