David Morales © nil Gerichtsakten Madrid

Von der Vergiftung bis zur Entführung ist alles möglich

«Es gibt drei Zielscheiben von höchster Priorität, die jederzeit kontrolliert werden müssen», schrieb Morales am 12. Dezember seinen Angestellten. Das

«Es gibt drei Zielscheiben von höchster Priorität, die jederzeit kontrolliert werden müssen», schrieb Morales am 12. Dezember seinen Angestellten. Das war nur zwei Tage nachdem Morales die Power-Point-Anweisungen gesendet hatte, um den «amerikanischen Freunden» einen direkten Streaming-Zugriff auf die ecuadorianische Botschaft zu gewähren. 

Gemeint mit den Zielscheiben waren «Fix», ein deutscher Cyber-Sicherheitsexperte, und «Muller»,ein deutscher Informatiker namens Andy Müller-Maguhn, der eng mit Assange befreundet war. Weiter machte Morales in dem Mail auch auf Ola Bini, einen schwedischen Softwareentwickler, und Felicity Ruby, eine Kollegin von Bini bei der Firma «ThoughtWorks» aufmerksam. Morales nannte diese Firma «ein Team von Hackern». Auch sie galt es auszuspionieren. Als Müller-Maguhn Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London besuchte, fotografierten UC Global-Mitarbeiter den Inhalt von seinem Rucksack sowie auch alle seine Kontaktnummern auf seinem Mobiltelefon.   [QUELLE?]

Auch sollte ein besonderes Augenmerk auf alle russischen Bürger gelegt werden, die Assange besuchten. Gemäss den Gerichtsdokumenten ist dies ein Indiz dafür, dass Morales in Übereinstimmung mit der zum damaligen Zeitpunkt vorherrschenden Meinung der US-Geheimdienste gehandelt habe, die ihren Blick stets auf Russland gerichtet hatten. Zumindest ein Teil der US-Geheimdienste war wohl der Meinung, dass Russland Einfluss nahm auf die US-Politik und auch Assange ein russischer Agent gewesen sei. Besondere Beachtung schenkte UC Global auch dem «The Intercept»-Journalisten Glenn Greenwald, der Assange ebenfalls besucht hatte. Von ihm fotografierten sie den Reisepass. Auch machten sie auf die Existenz seines russischen Visums aufmerksam. Greenwald hatte 2013 als erster Journalist die Dokumente von Whistleblower Edward Snowden veröffentlicht, die enthüllten, wie der US-Geheimdienst NSA die weltweite digitale Kommunikation überwacht.

Die Personenliste erstellte Morales auf Wunsch der US-Geheimdienste. [QUELLE?] Mit dersystematischen Überwachung und Auswertung des Assange-Netzwerks begann die spanische Sicherheitsfirma bereits einige Monate zuvor. Im Juni 2017 hatten einige Mitarbeiter der Firma begonnen, die Informationen über Assange und sein Team auszuwerten und zu dokumentieren. Dafür reisten sie einmal pro Monat extra nach London, um das Audio- und Videomaterial zu sammeln.

Bereits im September 2017 hatte Morales in einem Mail an seine Mitarbeiter mehrere Personen genannt, die es akribisch auszuspähen galt. Unter den «Zielen», wie der UC Global-CEO sie bezeichnete, waren vorwiegend Anwälte von Assange aufgelistet. Darunter: Renata Ávila, Jennifer Robinson, Carlos Poveda sowie Baltasar Garzón, der Assanges Rechtsteam leitete. Ebenfalls aufgelistet war Wikileaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison. Von ihnen allen forderte Morales aktualisierte Profile. 

Hier die Legende

Ins Netz der Späher gelangten alle Besucher Assanges. Der US-Schauspielerin Pamela Anderson, die Assange in der Botschaft besucht hatte, stahlen sie die E-Mail- und Mobiltelefon-Passwörter. Der Diebstahl ereignete sich, als Anderson ihre Passwörter auf einen Notizblock schrieb, damit Assange die Sicherheit ihrer Konten überprüfen konnte. Selbst der republikanische US-Politiker Dana Rohrbacher, der laut Assanges Anwältin Jennifer Robinson den Wikileaks-Gründer als offizieller Abgesandter von Präsident Trump besuchte, wurde peinlich überwacht. 

Mitarbeiter von UC Global fotografierten auch die Identitäts- und SIM-Kartennummern von Handys. Das geschah beispielsweise mit der italienischen Journalistin Stefania Maurizi. Dadurch konnten sie möglicherweise später die Handys hacken. 

Ein Mitarbeiter sollte Windel von Assanges kleinem Sohn stehlen

Besondere Aufmerksamkeit widmete Morales Stella Morris. Sie war Mitglied des Rechtsteams Assanges und enthüllte kürzlich, dass sie eine Beziehung mit Assange eingegangen war und während seiner Zeit in der Botschaft 

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