Finanzkräftige Spekulanten können kurzfristige, starke Börsenausschläge provozieren. Ihre Gewinne gehen zulasten von Kleinanlegern.

Grossinvestoren ziehen Kleinanleger über den Tisch

Finanzkräftige Spekulanten können kurzfristige, starke Börsenausschläge provozieren. Ihre Gewinne gehen zulasten von Kleinanlegern.

In der vergangenen Woche ist es an der New Yorker Aktienbörse mehrmals zu sogenannten «Flash-Crashs» gekommen. Darunter versteht man extreme Kurseinbrüche, die nur wenige Minuten andauern und in deren Folge sich die Kurse zu einem beträchtlichen Teil wieder erholen.

In den Medien werden diese «Flash-Crashs» oft als nicht vorhersehbare, urplötzlich eintretende Ereignisse dargestellt, die besonders die grossen Marktteilnehmer mit ihren riesigen Einsätzen hart treffen.

In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: Flash Crashs können von grossen Marktteilnehmern wie Hedgefonds und internationalen Grossbanken absichtlich herbeigeführt und zur eigenen Gewinnmaximierung genutzt werden. Verlierer des Spiels sind die Kleinanleger.

Das Ganze funktioniert folgendermassen: Werfen ein oder mehrere Hedgefonds oder Grossbanken gleichzeitig grosse Aktienpakete auf den Markt, dann bricht der Kurs der betreffenden Aktien blitzschnell kräftig ein. Viele Kleinanleger haben zum Schutz vor grösseren Verlusten «Stop-Loss-Orders» platziert, die dazu führen, dass ihre Aktien bei einem bestimmten Kursverlust automatisch verkauft werden. Meistens werden diese Orders bei einem Verlust von fünf Prozent aktiviert.

Hedgefonds-Betreiber müssen also nur dafür sorgen, dass es zu einem Kurssturz von mindestens fünf Prozent kommt. Dann können sie abwarten, bis eine Verkaufswelle der Kleinanleger mit Stop-Loss-Ordern einsetzt und den Kurs weiter in die Tiefe treibt. Sobald der Kursrückgang dann abebbt, können sie erneut einsteigen und die Kurse so wieder in die Höhe treiben.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Der Kurswert einer Aktie liegt bei 100 Euro. Einige Hedgefonds beschliessen, ihre Aktienpakete auf den Markt zu werfen, was den Kurs in Sekunden oder Minuten um fünf Prozent einbrechen lässt und bei Kleinanlegern automatisch die Stop-Loss-Orders auslöst.

Diese zweite Verkaufswelle treibt den Kurs um weitere vier Prozent nach unten. Sobald die Talsohle erreicht ist – ein Zeitpunkt, den die Algorechner der Profis sehr genau bestimmen können – steigen die Hedgefonds bei einem Kurs von 91 Euro pro Aktie wieder ein, was den Kurs wieder auf 97 Euro pro Aktie hochtreibt.

Die Hedgefonds haben also, obwohl der Kurs gegenüber dem Ausgangswert um drei Prozent gefallen ist, auf die einzelne Aktie einen Gewinn von 6 Euro gemacht. Kleinanleger mit einer Stop-Loss-Order, die wegen der rasanten Geschwindigkeit der Ereignisse erst nach dem Flash Crash wieder einsteigen, müssen dagegen einen Verlust von sieben Euro (fünf Euro beim Verkauf, zwei Euro beim erneuten Einstieg bei 97 Euro) hinnehmen.

Das Flash-Crash-Phänomen zeigt nicht nur, wie sehr die Aktienmärkte von den grossen Marktteilnehmern manipuliert werden. Es zeigt vor allem ihren zutiefst pervertierten Charakter, denn eigentlich dient das Prinzip der Stop-Loss-Orders, also der Eingrenzung von Verlusten, dem Schutz von Kleinanlegern. Mittlerweile aber haben die grossen Player im Aktiengeschäft eine solche Marktmacht, dass sie sogar solche Schutzmechanismen zum eigenen Vorteil nutzen und sie dadurch in ihr Gegenteil verkehren können.

Da Flash-Crashs kein neues Phänomen sind und Grossinvestoren Kleinanleger in der Vergangenheit bereits mehrfach auf diese Weise um erhebliche Summen erleichtert haben, werfen sie auch ein bezeichnendes Licht auf die vermeintliche «Finanzaufsicht» der Börsen. Bis heute ist weltweit kein Fall bekannt, in dem eine Behörde auch nur den Versuch unternommen hätte, diesem Treiben ein Ende zu bereiten.

Zum Infosperber-Dossier:

Finanzcasino bedroht Weltwirtschaft

Mit unvorstellbaren Summen darf gewettet werden, dass grosse Unternehmen und Staaten pleite gehen.

2 Meinungen

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    am 15.Feb.2018 um 11:52 am
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    Ich staune immer wieder, wie auf Infosperber mit der an sich hohen Wirtschaftskompetenz zumindest einiger der Verantwortlichen wider die offen liegenden Fakten argumentiert wird. In diesem Fall unterlegt Ernst Wolff seine Ausführungen mit einem theoretischen Zahlenbeispiel, das bis jetzt mindestens nicht mit den beobachtbaren Fakten übereinstimmt – und das auch für frühere Crashs nicht galt. Der Index der Schweizer Unternehmen hat um neun Prozent gecrasht, bislang aber nur deren zwei wieder aufgeholt. Da haben die Verursacher mit dem beschriebenen Mechanismus kaum was rausgeholt – sind doch für Transaktionen an der Börse immer auch Gebühren fällig. Wolff unterstellt zudem, dass Hedgefonds die riesigen Marktkapitalisierungen effektiv bewegen können – was allein bei einem Volumen der CH-Börse von über 1000 Milliarden eher unwahrscheinlich ist. Ähnlich neben den Fakten liegt übrigens auch Marc Chesney von der ETH-Zürich, der noch bis vor kurzem die sinkenden Gewinne der US-Unternehmen als Hinweis wertete, dass die Bewertungen an den Börsen zu hoch sind. Dummerweise sind die Gewinne aber gestiegen….

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