Glyphosat: Erste Molkerei verbietet das Herbizid

Die EU-Kommission überlegt, ob sie die Zulassung für Glyphosat verlängern soll. Eine Molkerei hat schon eine Entscheidung gefällt.

(Red. Dieser Gastbeitrag erschien auf Utopia.de)

Rund 1800 Bauernbetriebe beliefern die Berchtesgadener Molkerei – sie alle dürfen ab sofort kein Glyphosat mehr einsetzen. «Berchdesgardener Land» ist damit die erste Grossmolkerei in Deutschland, die ein offizielles Verbot für Glyphosat ausgesprochen hat.

Die Molkerei will das Verbot nun mit in die Milchlieferbedingungen aufnehmen. Ausserdem werde sie extern überwachen lassen, ob sich die Bauern an die Einschränkung halten, verkündete das Unternehmen.

Glyphosat-Vorfall in Oberbayern

Grund für den Vorstoss war wohl ein Vorfall in Oberbayern von vor etwa zwei Wochen: Ein Mann war bei einem Spaziergang auf ein Feld gestossen, das eine «giftig-gelbe» Farbe hatte. Ein Anwohner habe dem Spaziergänger erklärt, dass der Bauer sein Feld mit Roundup ausgespritzt habe.

Roundup ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel des Saatgut-Konzerns Monsanto. Offenbar hatte der Bauer sein Feld für die nächste Saison vorbereitet und dafür zu dem Mittel gegriffen.

Der Aufsichtsrat war sich einig

Der Anwohner, der das gelbe Feld entdeckte, wandte sich daraufhin an den Bayerischen Rundfunk (BR), sowie an die Molkerei Berchtesgadener Land selbst. Die Molkerei erklärte gegenüber dem BR zunächst, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt habe, den das Unternehmen nicht befürworte.

Diesen Mittwoch beschloss der Aufsichtsrat dann einstimmig, allen Lieferanten den Einsatz von Glyphosat komplett zu verbieten. «Es gibt in unserem Milcheinzugsgebiet keine Notwendigkeit, ein Totalherbizid einzusetzen, dessen wissenschaftliche Bewertung hinsichtlich Auswirkungen auf Mensch und Umwelt kontrovers ist», erklärte Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei.

Berchtesgadener Land verkauft übrigens nicht nur konventionelle Milch, sondern ist auch einer der grössten Anbieter für Bio-Milch. Die Milch ist zudem mit dem «Naturland Fair»-Siegel zertifiziert, das einen faireren Milchpreis für die Bauern garantiert.

Entscheidung zu Glyphosat steht an

Wie es mit Glyphosat in Europa weitergeht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Die aktuelle Zulassung als Unkrautvernichtungsmittel läuft am 15. Dezember aus. Die EU-Kommission muss bis dahin entscheiden, ob sie Glyphosat weiterhin zulässt oder nicht.
Zehn Länder sind dagegen, darunter beispielsweise Italien und Frankreich. Deutschland wird sich bei der EU-Abstimmung voraussichtlich enthalten, da das Umwelt- und Agrarministerium sich bislang nicht einigen konnten.
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Dieser Text von Nadja Ayoub ist am 26. Oktober 2017 auf dem Portal Utopia.de erschienen, das sich mit nachhaltigem Konsum beschäftigt.

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Zum Infosperber-Dossier:

Der Unkraut-Killer Glyphosat

Das in Landwirtschaft (mit «Roundup-Ready»-Saatgut) und Hobbygärten versprühte Herbizid ist in der Kritik.

2 Meinungen

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    am 13.Nov.2017 um 1:12 pm
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    Ich bin froh um diese guten Nachrichten. Die allgemeine Sorglosigkeit der Bevölkerung und die zunehmende Macht der grossen Konzerne, macht mir schon öfters Sorgen!

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    am 12.Nov.2017 um 2:57 pm
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    Ja, von dem beschriebenen Vorfall habe ich in meinem Kommentar vor einigen Tagen
    auch berichtet. In der Schweiz hat das Sigel IP seinen Lieferanten ebenfalls Glyphosat
    verboten.
    Dann ist da noch Heumilch. Wenn ich lese wie Wiesen gepflegt werden, und wie streng
    die Vorschriften sind, kann ich mir nicht Vorstellen, dass ein Bauer diese Sorgfalt
    mit Glyphosat kaputt macht, oder das ein Kontrolleur durchliesse.
    Aber nach wie vor, die Bürger sind zu wenig informiert.

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