«Gesunde Menschen sind schlecht für Pharmafirmen»

«Lohnt es sich, Menschen zu heilen?», fragen Investoren von Goldman Sachs. Die Pharmaindustrie brauche möglichst viele Kranke.

Eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht: Ein Memo des Investmentkonzerns Goldman Sachs an die Adresse von ausgewählten Kunden innerhalb der Pharmabranche. Doch der Wirtschafts- und Finanzsender CNBC machte Teile davon am 11. April öffentlich.
Lead-Autorin des Memo ist nach Angaben von CNBC die Analystin Salveen Richter, «Vice President, Research Division» bei Goldman Sachs. «Behandlungen, die nach einer einzigen Anwendung Heilung bringen, machen die Gentherapie, die gentechnisch veränderte Zelltherapie und die Genbearbeitung [für PatientInnen] attraktiv», räumt die Analystin in diesem Memo an die Kunden ein.
Weniger attraktiv ist dies für die Pharmafirmen. Das Memo nennt als Beispiel die erfolgreiche Gen-Behandlung gegen Hepatitis C mit den Medikamenten Sovaldi und Harvoni. Sie mache «die Verfügbarkeit von behandelbaren Patienten immer geringer». Denn weniger Kranke bedeuten in diesem Fall weniger Angesteckte. Es erkranken immer weniger Menschen an Hepatitis C.
Das ist einer der Gründe, weshalb die Milliardenumsätze mit Sovaldi und Harvoni seit 2015 massiv sinken. Die deutsche Apotheker-Zeitung berichtet von «geringeren Volumina bei der Behandlung der Patienten insbesondere in Europa». Entsprechend sank der Aktienkurs des US-Biotech-Konzerns Gilead, der die Medikamente herstellt.

Zitat aus dem Memo. Quelle: CBS

«Ist das Heilen von Patienten ein nachhaltiges Business-Modell?», fragt das Memo die Branche der medizinischen Biotechnologie. Die Frage ist offensichtlich rhetorisch. Denn damit «das Geschäft erfolgreich bleibt», müsse die Zahl der Patienten stabil bleiben.
Dies sei zum Beispiel bei Krebserkrankungen der Fall, wo eine Verzögerung oder Heilung den langfristigen Vertrieb eines Medikaments nicht gefährde, heisst es im Memo.

Schlagzeilen – aber nicht in der Schweiz

Dieses vertrauliche Finanzmemo machte in den englischsprachigen Medien einige Schlagzeilen. Als eine der ersten TV-Stationen berichtete CBS am 11. April darüber :


Im deutschsprachigen Raum verbreitete «Huffington Post» am 12. April eine Zusammenfassung auf deutsch. Doch die meisten deutschsprachigen Medien betrachteten dieses Goldman Sachs-Memo nicht für erwähnenswert. Eine Ausnahme war am 16. April «Epoch Times».
In der Schweiz hat bisher kein Medium darüber informiert (gemäss SMD-Datenbank).

Damit Pharmakonzerne auch noch in absehbarer Zukunft genügend Patientinnen und Patienten haben, rät ihnen das Memo des Investmentkonzerns Goldman Sachs Folgendes:

  1. «Sucht grosse Märkte» – das heisst Krankheiten, die sich in Regionen mit genügend Kaufkraft ausbreiten.
  2. «Schafft Medikamente für Krankheiten, die bereits heute häufig auftreten» – vor allem solche, die ständige schlimme Beschwerden auslösen.
  3. «Konstante Innovationen und Erweiterungen des Angebots» – es gebe noch hunderte von Krankheiten, aus denen man Erträge und Gewinne generieren könne.

Kommentar der «Huffington Post»: «Leid, Angst und Krankheiten sind gut für das Geschäft.»

Zum Infosperber-Dossier:

Die Macht der Konzerne

Wenn Milliarden-Unternehmen Nationalstaaten aushebeln und demokratische Rechte zur Makulatur machen.

Die Politik der Pharmakonzerne

Sie gehören zu den mächtigsten Konzernen der Welt und haben einen grossen Einfluss auf die Gesundheitspolitik.

3 Meinungen

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    am 4.Mai.2018 um 10:58 am
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    Müsste da nicht ein Aufschrei durch Politik und Bevölkerung gehen? Kosten sparen ist ja das eine …

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    am 30.Apr.2018 um 4:17 pm
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    Und wenn wir keine neuen, lohnenden Krankheiten finden, dann erfinden wir welche. Nein. So steht es nicht im Memo. Aber es könnte drin stehen und würde nicht auffallen.

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    am 30.Apr.2018 um 3:05 pm
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    Kaum zu glauben, aber wahr. Man weiss auch längst, dass «gewisse Kreise» in den USA darauf hinzielen, die Weltbevölkerung um mindestens die Hälfte zu dezimieren, aus Furcht, etwas vom Reichtum abgeben zu müssen. Die Gier ist kaum zu fassen, reicht bis in unsere Schweiz und kann nur noch apokalyptische Ausmasse annehmen. Nur hat –
    Gott sei Dank – nicht der Mensch das letzte Wort!

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