So falsch bewerten US-Globalplayer ihre Immobilien

Von wegen Steueroasen – neuester Sport der Multis ist das Kleinrechnen von Immobilien.

Dass multinationale Konzerne bei der Steuer tricksen, wo es nur geht, ist bekannt. Bisher richtete sich das Augenmerk vor allem auf die Verschiebung von Konzerngewinnen. Aber auch wenn es um den Gebäudebestand geht, sind die Konzerne sehr kreativ.

Apple, dessen riesiges, Donut-förmiges Hauptquartier in Cupertino, Kalifornien knapp 3 Milliarden Dollar wert ist, führt derzeit einen besonders bizarren Steuerstreit. Eine zum Apple Park gehörige Gebäudegruppe, deren Schätzwert gemäss den Steuerbehörden bei einer Milliarde Dollar liegt, ist laut Apple gerade 200 Dollar wert, berichtete der «San Francisco Chronicle» im August.

Bei einer anderen Immobilie, der Apple denselben Wert von 200 Dollar zugesteht, liegen die Schätzungen etwas näher beieinander. Die Behörde schätzt sie auf 384 Millionen Dollar. Wo auf dem Gelände des «Spaceships» Apples bescheidene Hütten liegen, geht aus dem Artikel von Catherine Ho leider nicht hervor.

Behörden ertrinken in Anfechtungen

Diese Auseinandersetzung ist keineswegs einzigartig. Apple führt die Einspruchsliste bei der Behörde des zuständigen Bezirks Santa Clara mit 489 Einsprüchen gegen Steuerbescheide zwar an, ist dabei aber nicht allein. Auch Google, Sun, Applied Materials und einige andere haben Immobilien, die nach Ansicht der Unternehmen erheblich weniger wert sind, als die Steuerbehörde denkt. Das Biotech-Unternehmen Genentech beispielsweise führte im Bezirk San Mateo eine Auseinandersetzung über Gebäude und Grundstücke in San Francisco, der 18 Jahre lang dauerte. Im August waren noch 653 Einsprüche im Namen von Genentech offen.

Bei den laufenden Verfahren geht es um Millionen. Manchmal gewinnt dabei die eine, manchmal die andere Seite, was die die Gerichte jahrelang beschäftigt. Apple, Google und Co. missbrauchten das System, sagen die Gutachter. Und wollen das keineswegs falsch verstanden wissen. Es sei jedes Bürgers Recht, seine Steuerrechnung anzufechten. Unternehmen wie Genentech sei es aber nicht an berechtigtem Einspruch gelegen. «Sie klagen einfach und schauen, was hängenbleibt. Das ist wie Spaghetti an die Wand werfen» (um zu sehen, ob sie klebenbleiben), sagte die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin des Countys San Mateo, Rebecca Archer.

Es leidet die öffentliche Hand

Gelder, die für öffentliche Projekte gedacht sind, bleiben so liegen, bis der Disput gelöst ist. Da es sich um die grössten Steuerzahler der Distrikte handelt, sind das substanzielle Summen. Im Bezirk Santa Clara sind seitens der zehn grössten Tech-Unternehmen Einsprachen über 76 Milliarden Dollar hängig. 8,5 Milliarden davon entfallen auf Apple, von den 489 ungelösten Einsprüchen gehen manche bis auf 2004 zurück. Andere stammen von Google, Sun und Applied Materials, einer Firma, die Anlagen für die Halbleiterindustrie herstellt.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts des «San Francisco Chronicle» erstellt.

Zum Infosperber-Dossier:

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