Kühe mit Hörnern: Andere, aber keine zusätzlichen Subventionen

Gegner der Hornkuh-Initative behaupten, es komme zu mehr Subventionen. Doch die Befürworter wollen die Ausgaben kompensieren.

«Wir wollen keine weiteren Subventionen»: Mit diesem Schlagwort wird die Hornkuh-Initiative bekämpft. Anet Spengler-Neff vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FIBL) widerspricht: «Es geht nicht um mehr Subventionen». Als Mitglied der Hornkuh-Initiative sagt sie, die etwa 15 Millionen Franken für die Erhaltung der Hörner könnten gut mit einer Umverteilung gefunden werden.
Ins gleiche Horn bläst Biobauer Martin Ott. In einem Budget von 3,7 Milliarden Franken sei das nötige Geld leicht zu finden, wenn man nur wolle. Ott ist einer der prominentesten Biobauern im Land sowie Buchautor und Stiftungsratspräsident des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau. In Rheinau leitet Ott die Schule für biodynamische Landwirtschaft.
Auch Peter Brügger, Direktor des Solothurnischen Bauernverbandes bestätigt, dass Beiträge für Hornkühe nicht zu zusätzlichen Direktzahlungen führen würden. Denn: «Der Finanzrahmen ist gegeben. Es gäbe eine Umverteilung der Direktzahlung. Dagegen wehrt sich Brügger allerdings: Die vom Bundesrat festgelegten Leistungen und Abgeltungen basierten auf fundierten Berechnungen und seien durch den politischen Prozess verankert worden. «Wer eine Umverteilung will, sollte auch erklären, welche gemeinwirtschaftliche Leistung nicht mehr erbracht werden soll.»

Eine kleine Umverteilung ist problemlos möglich

Agrar-Ingenieurin Anet Spengler nennt als Sparbeispiele «folkloristische Landschafts-Qualitätsbeiträge für Holzpfosten, Tristen oder Rebhäuschen». Martin Ott führt noch grössere Sparbrocken ins Feld: «Allein bei der Zuckerrübenförderung von jährlich rund 150 Millionen Franken liegt ein enormes Spar-, bzw. Umverteilungspotential drin.» Der Zuckerrübenanbau werde in der Schweiz nicht mehr bäuerlich gemacht. «95 Prozent der Höfe stellen bezahlten Lohnunternehmern das Ackerland zur Verfügung, nachdem der Bauer vielleicht gerade noch das Saatbeet bereit gemacht hat.» Es gebe viele Studien, die zeigten, dass der Zucker von Kleinbetrieben aus Kuba und Mittelamerika trotz langen Transportwegen viel ökologischer und ökonomischer wäre.
Zudem bleibe das Agrarbudget in Zukunft gleich gross – trotz immer weniger Betrieben. In der Schweiz gebe es, so Martin Ott, etwa zweihundert Betriebe, die über eine Viertelmillion Franken pro Jahr erhalten – bis zu bis 560’000 Franken. «Würde man für grosse und reiche Betriebe eine Obergrenze von jährlich maximal 250’000 Franken setzen, brächte dies jedes Jahr rund 20 bis 30 Millionen.»

Ott erinnert daran, dass es einen politisch ausgehandelten Vertrag zwischen der Gesellschaft und der Landwirtschaft gibt: «In diesem Vertrag bringen die Höfe Leistungen, die nicht vom Markt bezahlt werden können, die jedoch einen grossen Wert haben.» Es sei deshalb unvermeidlich und richtig, dass die Ausrichtung dieser Zahlungen immer wieder politisch neu verhandelt werden müsse.

Auch andere Berufsgruppen hätten solche Gesellschaftsverträge. «Ärzte zum Beispiel; sie bringen ihre Leistungen in einem völlig durchgeregelten Markt.» Zudem bestimme der Staat, dass jeder Bürger und jede Bürgerin monatlich das Geld für die Ärzte in eine Kasse einzahlen müsse. «Die Preise sind vorgeschrieben, die Leistungen werden staatlich kontrolliert usw. Was ist da anders?» fragt Martin Ott.

Für ihn sei die Hornkuh-Abstimmung auch eine Richtungsabstimmung. Darüber, wie die Milliarden verteilt werden. «Nämlich in eine mechanisierte Landwirtschaft, in der schlussendlich der einzelne Hof alles Know-how verliert und an die Lohnunternehmer auslagert. Oder zugunsten eines zusätzlichen Aufwands, die ein Landwirt leisten darf, wenn er eine behornte Herde betreut.» Sorgfalt statt rationalisierbare Arbeit sollte die Devise dieser Abwägung sein, sagt Martin Ott. Der Landwirt und seine Berufskompetenz würden so weniger ersetzbar: «Das ist langfristig eine kulturelle Frage.»

Die Höhle des Horns ist mit dem Innern des Schädels verbunden. Foto: Peter Jaeggi.

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